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„Triennale für Form und Inhalte 2011“ im Museum für Angewandte Kunst eröffnet

Material wiederentdeckt

Frankfurt - Im Kunsthandwerk geht es wieder um Nachhaltigkeit und Könnerschaft. Die „10. Von Reinhold Gries

Schmidttakahashi: Kleidung aus getragenen Stücken, neu arrangiert, mit Transpondern/Microchips zur Weiterverfolgung versehen

© Andreas Kohler

Schmidttakahashi: Kleidung aus getragenen Stücken, neu arrangiert, mit Transpondern/Microchips zur Weiterverfolgung versehen

Triennale für Form und Inhalte“ im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst gibt einen Überblick mit 500 Exponaten von 100 Künstlern, in Kooperation mit Offenbachs Klingspormuseum, das demnächst passende Buchobjekte präsentiert. Unter dem Motto „Materials Revisited“ geht es um Wiederentdeckung der Materialien in der Krise industriellen Zeitalters. Auf mehr als 1000 Quadratmetern begegnen Trends zu Möbeldesign, Mode, Geschirr- und Speisekultur experimenteller Objektkunst aus Glas, Keramik, Metall, Textil oder Papier.

Als Vorbotin fungiert Maike Dahl. Ihre Dosen, Deckel und Schalen aus Silber und Porzellan sind leicht und spülmaschinentauglich. Aus Plastiktüten gefaltet sind Judith Höfels „Fold(r)ings“. Den Hessischen Staatspreis erhielt die Offenbacherin Sabine Perez, vorgestellt mit bestickten Papiertüchern, Gedecken und Servicen. Geschmackssache ist Maria Volohovas Teetasse aus verschlungenen Porzellanröhren mit goldenen Spitzen. Funktionaler sind Barbara Schmidts Espressotassen.

Sparsamkeit und Recycling machen Mode. „Peace Collection“ nennt sich Mayers Jacken-Collage aus 150 Jahre alten Mehlsäcken und 100 Jahre altem Leinen. Aus getragenen Stücken besteht die Kleidung von Schmidttakahashi. Wie Landschaftsreliefs wirken Karola Kauffmanns Schals aus geschichtetem Kaschmir und gehaspelter Seide. Sorgsam gerät Schmuck wie Julia Funks Halsgehänge „Die Orientierungslose“ aus Lkw-Plane und Nähfaden. Sperrig trägt sich Tabea Reuleckes „Reiter“-Halsschmuck, während Marion Heiligers Paprika-Collier Schärfe einbringt. Mit umweltfreundlichen Photopolymeren, LaserCusing und 3D-Print arbeiten Svenja Johns „Isomo“-Ringe.

Der Sitz „Chassis“ von Stefan Diez oder gerasterte Stühle von Florian Artmann verlangen Haltung zwischen von der Decke hängenden Trennwänden Dörte Behns. Zwischen freier und angewandter Kunst gibt es Dinge, die nicht jeder braucht: Marta Klonowskas Flachglas-Hund-Skulptur nach Rubens oder Ines von Ketelholdts Ahnengalerie aus verfremdeten Fotografien. Die bizarre Ricky-Brosche von Jasmin Hess könnte vom Flohmarkt stammen. Benjamin Planitzers Skelettobjekte aus Douglasie verraten Formgefühl.

Wolfgang Lieglein hat sich Mühe gemacht mit „Eis am Stiel“ aus Frottee, Eis-Holzstielen, Glasaugen und Kunststoffperlen. Unk Kraus’ „Finden“ aus Polyolefine und Terrakottakugeln, Svetlana Milosevics Triples aus Steinzeug und Fugenmörtel und Marianne Eggimans „Kuh mit Gepäck“ fragen nach dem Sinn. Gunther Löbachs Stahlmesser, Berthold Hoffmanns Gusseisen-Tafelaufsatz, Nika Rams’ Steckdosenstöpsel gegen Elektrosmog und Martin Neuhaus‘ Halogen-Becherlampen sind benutzbar. Sehr erhellend: Stephan Seyfferts Glühbirnen-Revival, das ironisch an EU-Regulierungswut erinnert.

‹ „Materials Revisited“ im Museum für Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, Frankfurt. Geöffnet bis 29. Januar Dienstag, Donnerstag, Freitag 10 bis 17, Mittwoch 14 bis 19, Samstag/Sonntag 11 bis 16 Uhr

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