Eine alte, zunächst nicht näher erkennbare schwarz gekleidete Frau setzt mühsam schleppend einen ihrer mit klobigen Plateausohlen angetanen Füße vor den anderen. Der Raum ist schwarz, ein gähnender Riesenschlund, begrenzt von den eisernen Brandwänden. Den Kopf gebeugt, mit den Händen gegen die hintere Wand gestützt, beginnt Josefin Platt in der Rolle der Amme die Einführung in die Geschichte hervorzubelfern, aus der das Drama der „Medea“ des Euripides erwächst.
Eine monumentale Schlichtheit wird auch weiterhin die Bilder dieses Abends ausmachen. Michael Thalheimer setzt mit der „Medea“ am Frankfurter Schauspiel seinen Antikenzyklus fort, den er vor zwei Jahren am Deutschen Theater in Berlin mit der „,Orestie“ begonnen und mit dem Doppel „,Ödipus/Antigone“ in Frankfurt weitergeführt hat. Er hat seine Leute mitgebracht, Olaf Altmann für die Bühne, Nehle Balkhausen für die Kostüme und Bert Wrede für die Musik – die spät und auch nur kurz ins Spiel kommt; die beiden Hauptdarsteller Constanze Becker (Medea) und Marc Oliver Schulze (Jason) sind wieder die gleichen.
In ihrer inneren Zerrissenheit sind Jason und Medea ungeachtet von zynischem Verrat und wütendem Rachefuror schon fast wieder vereint. Das erste Erscheinen Jasons mit seinem leuchtend blauen Samtanzug im modischen Schnitt ist ob der provozierenden Auffälligkeit inmitten all der Grau- und Schwarztöne geeignet, ein gelindes Lachen hervorzurufen. Jasons Körper spricht die Sprache einer Verdrucktsheit. Seine Haltung ist die einer nüchternen Absicherung der Position, er weiß jedoch um seine Schuld Medea gegenüber. Die wiederum bricht in einem rationalen Denken mit der Vernunft und lässt sich dazu hinreißen, in einer ungeheuerlichen Tat die eigenen Kinder zu opfern, nur um Jason zu treffen und ihre Position wiederherzustellen Die kajalverschmierte Constanze Becker vermag es, die Verletztheit der Medea gegenwärtig zu machen. Sie wirkt noch in der List eher zart als hart. Mag die Tat unfassbar bleiben, ihre Gefühle können wir verstehen.
Thalheimer hat den Geist des Stücks dergestalt durchdrungen, dass man sich fragt, weshalb es je eines Theaters bedurfte, das auf „Einfällen“ seitens der Regie aufbaut. Thalheimers Theaterästhetik wirkt da so klar und einfach wie kühn. Und packend.











