Volkstheater spielt „Hessischen Jedermann“ vor Frankfurter Dom

Müder Tod lässt nicht mit sich diskutieren

719.07.1019.07.10|KulturFacebook
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Der Tod ist müde geworden. Das kann man verstehen. Keiner geht gern mit ihm – jeder muss. Wen wundert’s, dass er sich ein dickes Fell und die Diskussionsfreudigkeit eines Hilfspolizisten antrainiert hat? Von Markus Terharn

Volkstheater

Da ist nichts zu machen. Jedermann (Ralf Bauer, links) versucht es trotzdem beim Tod (Helmut Markwort).

„Mit mir kannste net handele“, bescheidet er den reichen Jedermann, der es gewohnt ist zu feilschen. Resignation heißt die hervorstechende Eigenschaft dieses untersetzten, abgerissenen Mannes.
Den kennt das Publikum bestens. Aber nicht so. Von 1993 bis Juni 2010 gab Helmut Markwort als Chefredakteur des „Focus“, wo er „Fakten, Fakten, Fakten“ forderte, die Rolle seines Lebens. Die Suche nach einem Altershobby führte den fitten 73-Jährigen zum Volkstheater Frankfurt, das die diesjährigen Freilichtvorstellungen mal wieder vor den Dom verlegt hat. In „Der hessische Jedermann“ scheint der Tod eher über „Akten, Akten, Akten“ zu stöhnen: Widerspruch formlos, fristlos und fruchtlos.

Man muss den Vollblutjournalisten und im Darmstädter „Datterich“ erprobten Gelegenheitsdarsteller nicht sympathisch finden. Aber als sanften, freundlichen älteren Herrn mag mancher sich den eigenen Tod wünschen. Auch wenn er einen so früh antritt wie diesen Jedermann, den Hugo von Hofmannsthal in Salzburg in die Welt gesetzt, Fitzgerald Kusz nach Franken gebracht und Wolfgang Kaus nun nach Hessen geholt hat, mundartlich wie mental. Der langjährige Autor und Spielleiter der Liesel-Christ-Bühne führte noch einmal selbst Regie. Wie immer maß er dem Wort großen Wert bei, griff wiederholt auf Texte aus Goethes „Faust“ zurück, wirkungsvoll untermalt mit Musik unter anderem von Mahler. Prominente Solisten verschmolz er mit einem Ensemble in Hochform.

Attraktiv, lebenslustig, unbekümmert und oberflächlich

„Gegen den Wind“ in einer ARD-Vorabendserie surft Ralf Bauer längst nicht mehr. Aber wer dem 43-jährigen Herzensbrecher die Arroganz des Geldmenschen nicht zugetraut hatte, sah sich angenehm überrascht. Der Mime meisterte die Wandlung vom hartherzigen, wiewohl christlichen Kaufmann zum verängstigten, indes gefassten Todgeweihten überzeugend.

Gleichfalls bildschirmbekannt ist Alexandra Seefisch, unlängst aus der ZDF-Telenovela „Hanna – Folge deinem Herzen“ ausgestiegen. Sie verkörperte die Nebenpartie der Buhle, wie sie sein sollte, attraktiv und lebenslustig, unbekümmert und oberflächlich.

Premierenzuschauer zeigten sich sehr angetan

Just die allegorischen Figuren, oft Problemfälle, gerieten stark. Als Mammon lieferte Wolff von Lindenau einen wahren (Gold-) Glanzauftritt. Als enttäuschter Teufel erhielt Steffen Wilhelm Szenenbeifall. Als Gewissen meldete sich Sabine Roller eindringlich zu Wort. Als Glaube bezeugte Anette Krämer Standhaftigkeit wie zuvor als Mutter Gebrechlichkeit. Weiter zu loben: Detlev Nyga als Schuldner und dünner, Axel Küffe als Koch und dicker Vetter, Hans Zürn als armer Nachbar und Gottes Stimme.

Rainer Schöne stattete den Archäologischen Garten mit güldener Wanne und vielseitig nutzbaren Möbeln aus. Bärbel Christ-Heß und Claudia Rohde schneiderten ihre tollsten Kostüme für Buhle, Mammon und Teufel. Tadellos funktionierte die Technik. Die Premierenzuschauer, darunter TV-Star Harald Schmidt, zeigten sich sehr angetan!

Alle weiteren Vorstellungen (bis 28. Juli) sind ausverkauft.

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