Musikalisch-literarische Weinprobe in Kloster Eberbach

Skurrile Wortspiele

322.07.1022.07.10|KulturFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

„Es war einmal ein Donnerstag, der war anders.“ Der Satz fällt zwar nicht an einem Donnerstag, aber anders als gewohnt ist manches – Texte und Töne, Ambiente und Getränke. Von Markus Terharn

Wenn das Rheingau Musik Festival zur „Musikalisch-literarischen Weinprobe“ ins Laiendormitorium von Kloster Eberbach bittet, darf sich das Publikum auf einen Abend abseits des Alltags freuen. Längst ist der Status des Geheimtipps verwirkt.
Das Besondere beginnt mit der Wahl des Autors: Friedhelm Kändler, 1950 geboren, antwortet auf die Stilrichtung des Dadaismus mit seinem „Wowoismus“. Im Programm „Waste brauchst, das ist Liebe“ reimt sich Halma skurril auf Palma, Adonis auf Bedrohnis. Groteske Prosa ergründet, was uns an der Liebe fasziniert. „Kändlers Tierleben“ könnte die Reihe heißen, die von der kleinen Laus Plü, einer Ameise mit roten Schühchen und einer neidischen Libelle kündet. „Kändlers gesammelte Märchen“ schließlich gipfeln in der urkomischen Erzählung von Dornröschen und ihrem Pech mit Fröschen (was sich hier auch reimt). Fazit: „Manche Liebesgeschichten enden / mit Flecken an den Wänden.“

Sein Körpereinsatz ist enorm

Kabarettist Kändler kommt nicht selbst, wird von Friedrich-Wilhelm Junge aber würdig vertreten. Der Schauspieler vom Dresdner Theaterkahn macht sich seit langem um den begnadeten Wortspieler verdient. Zwischen einer Mülltonne, der er absurde Bauernregeln entnimmt, und einem Münzfernsprecher, an dem er abstruse Anrufe empfängt, schwitzt er mehrere Hemden durch. Sein Körpereinsatz ist enorm, seine Mimik abwechslungsreich, seine Diktion gestochen scharf. Das Vergnügen an diesem Vortrag vervollständigt ein treibendes Jazztrio: Michael Fuchs am Piano, Roger Goldberg am Kontrabass und Volkmar Hoff am Schlagzeug.

Genuss am Gaumen erzeugen die Tropfen aus Oestrich-Winkel, Kiedrich, Rüdesheim, Geisenheim, Schloss Vollrads, Johannisberg und Hochheim. Und bei Wolfgang Schleichers launiger Präsentation scheint Kändler Pate gestanden zu haben!

zurück zur Übersicht: Kultur

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...
Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Mehr erfahren Sie in Ihrer Tageszeitung - kostenlose Leseprobe bestellen

Kommentar schreiben

Letzter Kommentar zu diesem Artikel:

Keine Kommentare vorhanden.

Eintrag verfassen

Community

Schreiben Sie zum Beitrag Ihre Meinung oder laden Sie Bilder und Videos zu ihrem Profil hoch. In unserer Community lernen sie sicher auch neue Freunde kennen.

Registrieren / Login

50.0434155,8.0487051

Aktuelle Videos

Szene - junge Kultur

op-online.de testet den Story-Hit Mafia 2
Filmreifes Mafiaepos mit kleinen Schwächen

Die Cosa Nostra gehört dazu, die Camorra tut es und auch die 'Ndrangheta wird dazu gezählt. Die Sprache ist von der Mafia, eine Verbrecherorganisation, die durch Filme wie „Der Pate“ an Bekanntheit gewann. Mit „Mafia 2“ ist es nun möglich, selbst in die Unterwelt einzutauchen. Von Jan SchmittMehr...

„Bye Bye“ Techno-Sommer
„Bye Bye“ Techno-Sommer

Von einem „Tag am Meer“ hat schon Thomas D in dem gleichnamigen Lied der Fantastischen Vier geträumt. Mit dem Meer können die Veranstalter des Green&Blue-Festivals zwar nicht aufwarten, der Langener Waldsee als neue Location ist aber auch nicht zu verachten: Klares Wasser, Sandstrand und schattige Bäume. Was will man mehr, um dem elektronischen Sommer „Tschüss“ zu sagen? Wenn die grüne Lichtung und der dazugehörige blaue Waldsee im Takt vibrieren und die Crème de la Crème der internationalen DJ-Riege sich ein Stell-dich-ein gibt, ist es wieder soweit: das Green&Blue-Festival findet statt.Mehr...

Jetzt gibt‘s was auf die Ohren
Jetzt gibt‘s was auf die Ohren

Schiefe Töne und schräge Shows: Wenn Laien zum Mikrofon greifen, gibt‘s was auf die Ohren. Wer Singstar schon immer toll fand, wird Karaoke lieben. Zugegeben, Karaoke-Bars sind nicht jedermanns Sache, überzeugen aber, wenn man bei asiatischem Flair keine Scheu davor hat, sich vollkommen zu lösen, und sich beim Singen lächerlich zu machen. Der Spaß ist in jedem Fall garantiert.Mehr...

LokalesNachrichtenSportCommunityFreizeitServiceMarktplatzZeitung

Artikel lizenziert durch © op-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.op-online.de