Die Art-Deco-Pfeiler der Maschinen- und Metallwarenfabrik Mato an der Bieberer Straße künden von ertragreicher Offenbacher Produktion. Das hat sich geändert, die Mato-Fabrik, seit 1994 Heimstatt der Künstler, hat Patina angesetzt. Von Reinhold Gries

© Gries
Werkstätten und Ateliers in der Mato unter einem Dach
Der eine ist vom Industriecharme fasziniert, den anderen stört der bröckelnde Putz. Aber nicht nur im „Kunst Raum Mato“ ist von Dornröschenschlaf keine Spur. In den Ateliers herrscht Vollbeschäftigung – trotz vorliegender Abrissgenehmigung.
Auch Sprecherin Eva Moll, unterwegs zwischen Ateliers in Brooklyn und Offenbach sowie mit einjährigem Mato-Mietvertrag ausgestattet, fühlt sich in solchem Umfeld wohl: „Wir haben uns gut weiterentwickelt, in bezahlbaren Räumen, die einem viel Freiheit lassen, Kommunikation erleichtern und Möglichkeiten zum Nachdenken und Ausprobieren schaffen. Man kommt zur Ruhe. Unser basisdemokratisch organisierter Verein braucht keine schicke Adresse, wir müssen uns weder interessant machen noch einer Geschäftsidee unterordnen“. Leben kann sie aber schon von dem, was sie produziert, organisiert und kommuniziert.
Nicht nur malerisch bezieht Diegel Position: „Als Künstler kann man sich heute nicht in den Elfenbeinturm flüchten. Es geht auch um ästhetische Gestaltung des Politischen, das bedarf dauernder Andockstellen an Gesellschaft und Stadtentwicklung.“ Ein Vorbild sieht es im unbequemen Universalkünstler Christoph Schlingensief, fordert aber auch „handwerkliche Nachvollziehbarkeit“.
Katja M. Schneider sieht ihre Mato-Situation so: „Der Atelier alltag mit kleineren Zwischenarbeiten, das ist für mich die beste Zeit, wenn Neues zuerst einmal im Kopf wachsen darf.“ Sie freut sich auf „Offene Ateliers“, um „Einblick in diese Phase zu geben, in der auch Unfertiges sein darf und in der die Möglichkeit besteht, mit Besuchern anders ins Gespräch zu kommen“.
Solche Gespräche sind viel mehr erwünscht als ein neuer Investor fürs Mato-Areal. Da könnte es vorbei sein mit Robert Mondanis Architekturformen aus Erde und Asche, Karin Timmerbergs Figurenwelten, Gabriele Franz’ Marmorplastiken sowie Verena Lettmayers Lena-Ikone und Kraftwerkbild. Noch kann bei Mato, das zeigen auch Charlotte Malcolm-Smiths, Ruth Luxenhofers und Katja M. Schneiders professionelle Arbeiten, jeder nach seiner Façon selig werden.
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