Aufgeräumt ist er, auf seine Weise erhaben, aber nicht arrogant. Seit ungefähr einem Vierteljahrhundert zieht der nach seiner Zeit als Sänger und Texter der Band Foyer des Arts zunächst als Kolumnist der satirischen Zeitschrift „Titanic“ bekanntgewordene Berliner Schriftsteller mit seinen Lesungen beständig ein außergewöhnlich großes Publikum an. Die Regelmäßigkeit, mit der Goldt seit zehn Jahren immer um die Weihnachtszeit nach Frankfurt kommt – bislang in den Mousonturm, erstmals nun war der Ort das ausverkaufte Schauspiel – lässt sich als Ausdruck einer unaufgeregten Lebenshaltung lesen.
Illner, Maischberger & Will, die Herrinnen der in Form und Dekor „leicht verwechselbaren“ Talkshows, werden als „kompetenzaustrahlende Benebelungselemente“ klassifiziert, derweil das zu deren sonst aus „ordentlichen Parteisoldaten, die weder ausrasten noch einschlafen“ besetztem Stammpersonal gehörige „Rätselweib“ Sahra Wagenknecht zwar auch nie etwas Ungewöhnliches sagt, jedoch so damenhaft und stolz im Studiosessel zu sitzen verstehe wie sonst niemand. Warum man sich derlei überhaupt noch anschaut? „Sessel und Sofas sind die Rauschgifte des Wohnens.“
Die Gelassenheit ist eine Tugend, die Max Goldt einmal gepriesen hat. Auch in der Geißelung nerviger Erscheinungen ist eine grundsätzliche Menschenfreundlichkeit zu erkennen. Meist geht es um Stilfragen. In beiläufiger Weise ist Max Goldt ein zeitgenössischer Knigge, seine lehrsamen Beobachtungen gießt er in feuilletonistische Form. Gleich Knigge lässt er sich nicht auf die Verfechtung einer vordergründigen Etikette reduzieren, die Absicht zielt vielmehr auf Zweckmäßigkeit im Dienste eines besseren Miteinanders.
Dem stereotypen Politikerplädoyer auf „Bildung, Bildung, Bildung“ setzt dieser wunderbare Protagonist des Feinsinns eines auf „Interesse, Interesse, Interesse“ entgegen. „Charme“ erklärt er zur „letzten Instanz einer ausgleichenden Gerechtigkeit. Kannst du nicht kaufen, kann man aber haben“. Das ganze Jahr über hat man selten so gelacht wie über den launig-ironischen Ernst Max Goldts. Und kommt im nächsten Jahr wieder, ganz bestimmt.











