Max Goldt las im Frankfurter Schauspiel aus neuen und alten Werken

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    • 31.12.12
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Max Goldt im Schauspiel

Zeitgenössischer Knigge

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Frankfurt - Diese Stimme! Wie sie am Anfang schon einsetzt: Ein behaglich sonorer Bariton klärt einen erst einmal lakonisch-sachlich über die Modalitäten des Abends auf. Eine aus all dem Gewese herausragende Position markiert er, dieser spezielle Max-Goldt-Ton. Von Stefan Michalzik

© dpa

Max Goldt

Aufgeräumt ist er, auf seine Weise erhaben, aber nicht arrogant. Seit ungefähr einem Vierteljahrhundert zieht der nach seiner Zeit als Sänger und Texter der Band Foyer des Arts zunächst als Kolumnist der satirischen Zeitschrift „Titanic“ bekanntgewordene Berliner Schriftsteller mit seinen Lesungen beständig ein außergewöhnlich großes Publikum an. Die Regelmäßigkeit, mit der Goldt seit zehn Jahren immer um die Weihnachtszeit nach Frankfurt kommt – bislang in den Mousonturm, erstmals nun war der Ort das ausverkaufte Schauspiel – lässt sich als Ausdruck einer unaufgeregten Lebenshaltung lesen.

„Die Chefin verzichtet auf demonstratives Frieren“, lautet der Titel des jüngsten Bandes. Wie immer trug der inzwischen 54-Jährige nicht nur Novitäten, sondern auch ältere Texte vor. Ein - vermutlich unwillkürlicher - Schwerpunkt galt diesmal der Berührung von Gender-Themen. Goldt diagnostiziert das „Entenstimmenphänomen“ bei Frauen, die sich „falsche Vorbilder“ wie Heidi Klum, Paris Hilton oder Verona Pooth ausgesucht haben. Die Zeitungsnachricht, derzufolge es ökologisch dienlich wäre, wenn Männer sich der Ernährungsweise von Frauen angleichen, wirft für Goldt die Frage auf, ob Männer dem Klima nutzen, wenn sie künftig „Joghurette“ essen.

Illner, Maischberger & Will, die Herrinnen der in Form und Dekor „leicht verwechselbaren“ Talkshows, werden als „kompetenzaustrahlende Benebelungselemente“ klassifiziert, derweil das zu deren sonst aus „ordentlichen Parteisoldaten, die weder ausrasten noch einschlafen“ besetztem Stammpersonal gehörige „Rätselweib“ Sahra Wagenknecht zwar auch nie etwas Ungewöhnliches sagt, jedoch so damenhaft und stolz im Studiosessel zu sitzen verstehe wie sonst niemand. Warum man sich derlei überhaupt noch anschaut? „Sessel und Sofas sind die Rauschgifte des Wohnens.“

Die Gelassenheit ist eine Tugend, die Max Goldt einmal gepriesen hat. Auch in der Geißelung nerviger Erscheinungen ist eine grundsätzliche Menschenfreundlichkeit zu erkennen. Meist geht es um Stilfragen. In beiläufiger Weise ist Max Goldt ein zeitgenössischer Knigge, seine lehrsamen Beobachtungen gießt er in feuilletonistische Form. Gleich Knigge lässt er sich nicht auf die Verfechtung einer vordergründigen Etikette reduzieren, die Absicht zielt vielmehr auf Zweckmäßigkeit im Dienste eines besseren Miteinanders.

Dem stereotypen Politikerplädoyer auf „Bildung, Bildung, Bildung“ setzt dieser wunderbare Protagonist des Feinsinns eines auf „Interesse, Interesse, Interesse“ entgegen. „Charme“ erklärt er zur „letzten Instanz einer ausgleichenden Gerechtigkeit. Kannst du nicht kaufen, kann man aber haben“. Das ganze Jahr über hat man selten so gelacht wie über den launig-ironischen Ernst Max Goldts. Und kommt im nächsten Jahr wieder, ganz bestimmt.

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