Langen - Die Augen von Karl-Heinz Dütsch verraten ein bisschen Wehmut. Das Gründungsmitglied der 1. Langener Schweinrenngemeinschaft betrachtet am Freitagabend im Alten Rathaus Fotos von „Julchen vom Sterzbach“, die 1983 als hessische Meisterin Geschichte geschrieben hat. Von Nico Wagner

© Postl
Mehr als 150 Sparschweine bereichern die Schau im Alten Rathaus, die noch bis Ende April bestaunt werden kann. Die Zeiten, als die Stadt und Bürgermeister Frieder Gebhardt (Zweiter von rechts) ein prallgefülltes Sparschwein hatten, sind leider Vergangenheit.
Für die Ausstellung „Schwein gehabt“ hat Dütsch gemeinsam mit Stadtarchivar Herbert Bauch und Weggefährten aus der damaligen Zeit ein ganz besonderes Kapitel Langener Lokalhistorie aufgearbeitet. Davon zeugen Exponate, Fotos, Zeitungsausschnitte und andere Dokumente.
Alles begann im Jahre 1982. Dütsch, damals Juniorchef im Hotel „Deutsches Haus“ an der Darmstädter Straße, nahm verspätete Geburtstagsgrüße eines Freundes und ein außergewöhnliches Geschenk entgegen: ein Ferkel sollte die kommenden Lebensjahre seines Ziehvaters prägen. Der 55-Jährige erinnert sich: „Als ein norddeutscher Hotelgast einmal von Schweinerennen aus seiner Heimat erzählte, war Julchens Schicksal besiegelt.“
Doch nicht nur die Schweine, auch die Renngemeinschaft gedieh. Bis zu 105 Aktionäre zählte die Eignerliste zu besten Zeiten. 76 leben noch. „Ich wusste gar nicht, dass sieben Verwandte von mir auf dieser Liste stehen“, sagt Dietmar Alt, der die Ausstellung besucht. Neben Bildern bestaunt Alt Pokale aus der glorreichen Zeit und über 150 Sparschweine aller Größen, Formen und Farben, die Dütsch gesammelt hat.
Die Gemeinschaft bestand bis 1989. „Dann begann in Norddeutschland jemand, kommerzielle Schweinerennen zu veranstalten. Die Tiere wurden mit Elektroschockern getrieben. Damit wollten wir nichts zu tun haben“, sagt Vogl. Julchen wird es nicht gestört haben, im Gegenteil. Sie sah ihre Zukunft auf anderem Gebiet. Die hessische Schweinerennmeisterin büxte im Alter von sechs Jahren während eines Ausflugs nach Erbach durch ein Loch im Zaun eines Wildschweingeheges aus, um einem wilden Eber nachzusetzen, der ihr wohl das Einzige gab, was sie im heimischen Stall nicht finden konnte – Liebesglück. „Wir haben oft mit dem Förster gesprochen und wissen, dass es über die Jahre reichlich Nachwuchs gegeben hat. Wenn es im Odenwald gescheckte Wildschweine gibt, könnte das etwas mit Julchen zu tun haben“, sagt Dütsch grinsend.
Zu sehen ist die Schau bis 29. April samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Am 2. und 14. März (19 Uhr) führen Dütsch und Vogl durch die Schau. Zudem bietet das Museum Bastelstunden und Führungen für Kitas und andere Gruppen an. Anmeldung im Stadtarchiv: Telefon: 06103/910475.
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