Langen - Auf diesen Rekord hätte die Langener Feuerwehr gerne verzichtet: 873 Einsätze und damit so viele wie noch nie hatten die Helfer im vergangenen Jahr zu absolvieren; kreisweit war keine Feuerwehr 2011 mehr gefordert. Von Markus Schaible

© Strohfeldt
In neue Dienstgrade befördert wurden bei der Hauptversammlung der Feuerwehr (von links) Florian Gniss (Hauptfeuerwehrmann), Cengiz Kaya (Hauptfeuerwehrmann), Daniel Dauta Brito (Übernahme aus der Jugendfeuerwehr), Sascha Eichhorn (Oberbrandmeister), Patrick Fischer (Oberfeuerwehrmann), Thomas Zwipp (Hauptfeuerwehrmann), Fabian Beissert (Hauptfeuerwehrmann), Kristina Lindner (Feuerwehrfrau), Christian Köhler (Hauptfeuerwehrmann), Daniel Konhäuser (Oberfeuerwehrmann), Ingo Steckhan (Hauptfeuerwehrmann), Florian Jänicke (aus der Jugendfeuerwehr), Marco Linse (Feuerwehrmann), Nicholas Wolf (aus der Jugendfeuerwehr) und Mike Pfannemüller (Löschmeister). Auf dem Bild fehlen Frank Naujoks (Feuerwehrmann) und Ivan Sokol (Oberfeuerwehrmann).
Insgesamt wurden 32.149 Arbeitsstunden im Dienste der Allgemeinheit geleistet (2647 mehr als im auch schon sehr arbeitsreichen Jahr 2010). Und so stellt Stadtbrandinspektor Frank Stöcker drei Fragen ganz an den Anfang seines Jahresberichts: „Wie lange noch lässt sich diese Schraube nach oben drehen? Wann ist die Belastungsgrenze erreicht? Wie können wir eine Entlastung jedes Einzelnen erzielen?“.
Hauptverantwortlich für die hohe Arbeitsbelastung sind die Sturm- und Unwettereinsätze, die in den Ereignissen des 24. August gipfelten: Eine Windhose zog eine Spur der Verwüstung durch das westliche Stadtgebiet. Drei Tage dauerte es, bis über 300 Einsatzstellen abgearbeitet waren. Einzig erfreuliche Erkenntnis: Entgegen früherer Jahre habe es keine Beschwerden ob der Wartezeiten gegeben, so Stöcker: Jeder habe das Ausmaß der Schäden gesehen.
Auch wenn der August-Sturm ein außergewöhnliches Ereignis war, blickt der Stadtbrandinspektor nicht ohne Sorgen in die Zukunft: „Die Abstände zwischen Unwettern werden geringer, Hochwasser und Stürme machen uns zu schaffen. Wir müssen uns auf darauf einstellen. Die Ausbildung und Ausrüstung müssen erweitert und verbessert werden, damit wir der Bevölkerung weiter helfen können.“
Gleichzeitig gelte es aber auch, Defizite im Feuerwehrhaus abzustellen: Die 30 Jahre alte Zentrale entspreche nicht mehr dem Stand der Technik, zudem fehle es an Platz. So sei der Herrenumkleideraum voll belegt, die Zahl der Spinde reiche nicht aus. Auch gebe es keinen Sozialraum mehr, was dem Vereinsleben und der Kameradschaft schade.
„Die dringend benötigten weiteren Einsatzkräfte können nur geworben werden, wenn für sie auch Platz vorhanden ist“, so der Stadtbrandinspektor: „Es muss dann auch wieder ein Raum für das kameradschaftliche Miteinander vorhanden sein, denn wenn man seine Freizeit schon für das Wohl seiner Mitbürger einsetzt, müssen wenigstens die Rahmenbedingungen stimmen.“
Dabei geht Stöckers Blick auch Richtung Ausrüstung. Die wurde zwar auch 2011 ergänzt, gezeigt habe sich aber, dass dringend ein weiteres Löschgruppenfahrzeug benötigt werde. Zudem werde deutlich, dass die Fahrzeuge bei teilweise 300 bis 400 Einsätzen im Jahr nicht – wie vom Land Hessen in den Zuschussrichtlinien vorgeschrieben – 25 Jahre halten können: „Bei uns kommen bei manchen Fahrzeugen so viele Kilometer und Betriebsstunden in einem Jahr zusammen wie bei anderen Feuerwehren nicht in 25 Jahren.“
„Wir wissen um die finanzielle Situation unserer Stadt“, so Stöcker, „aber auch die Sicherheit ist ein Standortfaktor, den man nicht aus der Sicht verlieren sollte. Und bei der Feuerwehr besteht dringender Handlunsbedarf.“
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