Langen (hob) - Seit einem Vierteljahrhundert gibt es das Frauenbüro im Langener Rathaus. Das Jubiläum feiert die Einrichtung im Laufe des Jahres bei etlichen Gelegenheiten und blickt dabei auch auf einen durchaus steinigen Weg zurück.

© Strohfeldt
Eine Lesung aus der Frauenchronik „Lila Langen“ mit (von rechts) Erna Götz-Tull, Margrit Jansen, Peter Holle sowie Frank Oppermann machte am Mittwochabend in der Stadtbücherei den Auftakt der Feiern zum 25-jährigen Bestehen des Frauenbüros.
Denn vieles was heute scheinbar Selbstverständlich ist, musste hart erstritten werden. „Der Anfang war schon ein hartes Brot“, sagt Annerose Gebhardt. Bereits 1985 war bei einem überparteilichen Frauentreff die Einrichtung eines Frauenbüros gefordert worden – wobei die Initiatorinnen nicht geahnt hatten, welche Widerstände ihnen entgegenschlagen würden. „Eineinhalb Jahre wurde heftig argumentiert und diskutiert, bis die letzte Hürde für die Schaffung einer halben Frauenbeauftragten in einer sogenannten Gleichstellungsstelle fiel“, sagt Gebhardt, die dieses Amt Anfang 1987 übernahm. Sie war in ihrer Funktion die Erste im Kreis Offenbach und die 17. in Hessen.
„Die damaligen Themen meines Engagements rückblickend zu betrachten, ist schon sonderbar“, meint die Jubilarin. „Ging es doch um heute so scheinbar Selbstverständliches wie die Aufhebung des Nachtarbeitsverbots für Arbeiterinnen, das Ladenschlussgesetz, betreute Grundschulen oder die Finanzierung von Frauenhäusern.“ Gebhardt erinnert sich noch lebhaft daran, wie suspekt vielen in Politik und Verwaltung das Engagement einer Gleichstellungsbeauftragten anfangs gewesen sei: „Nicht jeder Versuch, Einfluss zu nehmen, war von Erfolg gekrönt, nicht alle Missstände wurden als solche akzeptiert, nicht jede aus frauenpolitischer Sicht notwendige Änderungen wurde begrüßt.“
Noch im ersten Berufsjahr war Gebhardt bei der Gründung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) hessischer Frauenbüros dabei – eine wichtige Basis ihrer Arbeit. Neue Kolleginnen im Landkreis folgten in kurzen Abständen (Mühlheim, Neu-Isenburg, Offenbach, Dietzenbach) und 1988 wurde die Stelle einer Kreisfrauenbeauftragten geschaffen.
Als ihr Ehemann Frieder 2008 zum Bürgermeister gewählt wurde, gab Annerose Gebhardt die Aufgabe der internen Frauenbeauftragte an Rosemarie Steffens ab und wechselte als externe Frauenbeauftragte ins Dezernat des Ersten Stadtrates. Seit 2010 arbeitet sie dort in Altersteilzeit – „mit halber Arbeitszeit, aber voller Energie“ – und seither gibt es mit Kerstin Strathus eine weitere kommunale Frauenbeauftragte. Gebhardt bietet nach wie vor im Langener Frauenbüro Beratung und organisiert Veranstaltungen wie den Equal-Pay-Day, internationale Frauenfeste oder Aktionen gegen Gewalt an Frauen.
Den Auftakt der Feiern zum 25-jährigen Bestehen des Frauenbüros machte am Mittwoch eine Lesung aus der Frauenchronik „Lila Langen“ in der Stadtbücherei. Dabei wurden Auszüge aus dem zweiten Band präsentiert, der pünktlich zum Ebbelwoifest im Juni vorliegen soll. Der offizielle Festakt für geladene Gäste ist am 17. Februar.
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