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Schach und der Kampf gegen die Uhr

Den Gegner blitzschnell besiegen

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Artikel: Den Gegner blitzschnell besiegen

Langen ‐ „Klack, klack, klack“ – im Sekundentakt hallt das Umlegen der Stoppuhr-Kippschalter am Sonntagvormittag durch den Konferenzraum der Stadthalle. Von Sandra Dorn

© Strohfeldt

Schnelle Brüter der anderen Art. Dr. Erich Flach, Dr. Rolf Koopmann, Matthias Kürschner und Frank Keim (von rechts) zogen sich am Sonntag glänzend aus der Affäre. Die Langener Mannschaft ließ bei der Hessenmeisterschaft im Blitzschach mehrere höherklassige Teams hinter sich und landete auf dem sechsten Platz.

84 Männer sitzen sich hoch konzentriert gegenüber und bewegen scheinbar schlafwandlerisch Bauern, Läufer, Springer und Damen über die Schachbretter. „Blitzen“ nennen sie das, was sie machen. Es geht um den Titel der Hessischen Blitzschach-Mannschaftsmeisterschaft, die dieses Jahr vom Schachklub Langen ausgetragen wird: 21 Mannschaften, vier Spieler, Mann gegen Mann (Frauen sucht der Besucher vergebens). Jeder hat fünf Minuten Zeit, danach werden die Mannschaften gewechselt. So bestreitet jeder Schachspieler in gut vier Stunden 20 Partien. Die Gewinner dürfen im Juni bei der deutschen Meisterschaft antreten.

Zu Beginn einer Partie ist alles ruhig im Saal, doch die Zeit im digitalen Ziffernfeld läuft unbarmherzig ab: Fünf Minuten, vier Minuten, drei Minuten, spätestens bei zwei Minuten kommt Hektik auf. Bauern werden geschlagen, Läufer landen neben dem Brett, Türme und Damen gesellen sich in Windeseile zu ihnen. Plötzlich stehen sich die Könige von Gerd Euler aus Hungen/Lich und seines Gegenspielers aus Gernsheim gegenüber, in der Eile fällt ein Bauer um, wird wieder aufgestellt, erreicht die gegenüberliegende Seite des Schachbretts, wird gegen die zuvor verlorene Dame ausgetauscht und weiter geht’s. Als die Zeit bei beiden Spielern abgelaufen ist, stehen nur noch die beiden Könige: Remis. Hände werden geschüttelt. Neues Spiel, neues Glück.

Die zweite Mannschaft war in dem starken Feld chancenlos

Er sei jemand, der sich durchaus mal aufrege, wenn er eine Partie verliere, sagt Gerd Euler. „Eine Niederlage ist beim Blitzen aber nicht so schlimm. Man kann bei der nächsten Partie gleich wieder loslegen“, erklärt er. Mit seiner Mannschaft aus Hungen/Lich wurde der Kurierfahrer mit den wilden schwarzen Haaren im vergangenen Jahr Hessenmeister. Diesmal reichte es nur zu Rang zehn. Euler hat im Alter von zwölf Jahren mit dem Spiel der Könige angefangen, seit 1980 spielt er Turnierschach und hat inzwischen den Titel des FIDE-Meisters erlangt – den dritthöchsten Titel, der vom Weltschachbund (Fédération Internationale des Échecs – FIDE) verliehen wird. „Die Automatik entwickelt sich mit der Zeit“, sagt er.

„Zum einen erfordert Blitzschach viel Wissen, zum anderen muss man sehr intuitiv handeln“, erläutern Kevin Hogy und Thorsten Overbeck vom Schachklub Neuberg. Mit 20 und 26 Jahren zählen sie zu den jüngsten Teilnehmern. Beide kamen über Schul-AGs zum Schach.

„Gute Schachspieler treffen gute Entscheidungen in kurzer Zeit“, beschreibt Jörg Berkes, Vorsitzender des Schachklubs Langen, die besondere Faszination am Blitzschach. Vergangenes Jahr erreichten die Langener den achten Platz, dieses Mal verbessern sie sich auf Rang sechs. Die zweite Mannschaft war in dem starken Feld chancenlos und landete auf Platz 19.

Die ersten Spieler bekommen rote Köpfe

„1:0“, „2:0“, „3:0“ rufen die Teamkollegen Frank Keim aus Erzhausen zu, der noch immer seinem Gegner aus Neuberg gegenübersitzt. Keim wirkt sehr ruhig, während am Nebentisch Hektik ausbricht und eine Figur nach der anderen bei den sekundenschnellen Bewegungen versehentlich umfällt. Die ersten Spieler bekommen rote Köpfe. Spielleiter Kolja Alecsander Lotz aus Marburg geht von Tisch zu Tisch, greift aber nur ein, wenn sich ein Spieler beschwert. Schließlich ist auch bei Keim die Entscheidung gefallen: Er hat seiner Langener Mannschaft das 4:0 gegen die Neuberger beschert.

„Mann, Mann, Mann! Bei mir hätte es besser laufen können“, sagt ein anderer Spieler zu seinen drei Mannschaftskameraden. Befreiendes Lachen tönt durch den Saal, als die Zeit bei allen abgelaufen ist und jede Mannschaft einen Tisch weiter nach links rückt. „So, okay, weiter geht’s!“, ruft Spielleiter Lotz. Und wieder klacken die Uhren.

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