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Kurt Schäfer will sich im Ruhestand mehr Zeit für seine Hobbys nehmen. Nachfolger Christian Münch ist Hessens jüngster Forstamtschef.

Führungswechsel im Forsthaus

Langen - Generationenwechsel im Forsthaus an der Dieburger Straße: Ende des Monats beginnt für Kurt Schäfer ein neuer Lebensabschnitt. Der 62-jährige Leiter des Langener Forstamtes freut sich auf die passive Phase der Altersteilzeit. Von Frank Mahn

© Strohfeldt

Kurt Schäfer (rechts) freut sich, dass er bald mehr Zeit für seine Hobbys hat. Für den Leiter des Forstamtes Langen beginnt die passive Phase der Altersteilzeit. Sein Nachfolger Christian Münch ist der jüngste Forstamtsleiter Hessens.

Sein Nachfolger ist mit Christian Münch ein „Jungspund“. Der gebürtige Mosbacher zählt gerade mal 36 Lenze und ist damit der jüngste Forstamtsleiter Hessens. Derzeit sind die beiden auf „Tournee“ durch die Rathäuser des Kreisgebiets. Der „Alte“ verabschiedet sich und stellt den „Neuen“ vor.

Er habe sich den Schritt in Richtung Ruhestand sehr gut überlegt, sagt Schäfer. Seine Hobbys will er intensivieren, allen voran das Segelfliegen. Auf Ehefrau Theresia muss er dabei verzichten, nicht aber beim Radfahren und Wandern. Den Flugschein hat er vor gut 25 Jahren gemacht. „Beim ersten Alleinflug war ich patschnass geschwitzt.“ Christian Münch bleibt in sportlicher Beziehung am Boden. Er fährt gerne Ski.

Der neue Amtsleiter ist schon weit herumgekommen

Münch hat in Freiburg Forstwissenschaften studiert. Der Diplom-Forstwirt ist schon weit herumgekommen. Praktika führten ihn nach Schottland und Montana. Seit 2007 war er Technischer Betriebsleiter beim Forstamt Jossgrund. Kaum hatte er dort angefangen, fegte Orkan „Kyrill“ über die Spessarthöhen. „Zum Aufräumen hatten wir teilweise zehn Vollernter im Einsatz“, berichtet Münch.

Sein Vorgänger Kurt Schäfer ist seit 1980 in leitender Funktion beim – wie es heute heißt – Landesbetrieb Hessen-Forst tätig. Die letzten sieben Jahre war er in Langen Chef von knapp 40 Mitarbeitern und oberster „Herr“ über 16000 Hektar Wald. Weil der wirtschaftlich genutzt wird, sieht man sich als Förster schon mal Anfeindungen ausgesetzt. Zum Beispiel jüngst, als an der Strecke der Dreieichbahn Bäume gefällt werden mussten, die durch den Sturm im vergangenen August beschädigt worden waren. Zudem wurden Bäume aus dem Altbestand gefällt, damit die kleineren Licht bekommen und der Wald sich verjüngen kann. Prompt wurde der Hessen-Forst von Kritikern als „Holzplünderfirma“ bezeichnet.

„Ökologisch stabile Wälder schaffen“

Für Schäfer ist dieser Vorwurf völlig abstrus. „Die Nutzung des Holzes erfolgt nachhaltig, weil wir nur so viel einschlagen wie nachwächst.“ Der Wald, ergänzt sein Nachfolger Christian Münch, „ist ein dynamisches Gefüge, kein statisches“. Durch solche Arbeiten würde die kommende Waldgeneration eingeleitet. „Es geht darum, ökologisch stabile Wälder zu schaffen.“

Schäfer führt gerne das Beispiel an, dass jeder Mensch jährlich bis zu einem Kubikmeter Holz verbraucht – vom Toilettenpapier über Zeitungen bis hin zum Möbelkauf. „Die meisten Leute verstehen das“, sagt Schäfer und verkneift sich den zweiten Teil des Satzes. Etwa 90. 000 Kubikmeter erntet das Forstamt pro Jahr, verwertbar sind davon 65. 000, der Rest bleibt als Biomasse im Wald. „Das deckt gerade 15 bis 20 Prozent des Bedarfs in der Region“, führt Schäfer aus. Der weitaus größte Teil komme aus dem Ausland.

Und wie ist es um den Gesundheitszustand des Waldes bestellt? „Der ist schlechter als in Rest-Hessen, weil wir in einem Ballungsraum leben“, sagt Schäfer. Grundwasserabsenkung, Abgase, Klimaveränderungen und Schädlinge wie den Eichenprozessionsspinner nennt er als Gründe. „Der Maikäfer hat uns bislang noch verschont.“

Wildschweine zum Abschuss freigegeben

Ob es dabei bleibt, ist schwerlich zu prognostizieren. In jedem Fall wird es Schäfers Nachfolger mit einer anderen Plage zu tun bekommen: Die Wildschweinpopulation hat sich wieder rasant vermehrt. Das ist vor allem den Landwirten ein Dorn im Auge, wenn sich die Schwarzkittel durch Maisfelder fressen. Um die Schäden zu begrenzen, hilft nur eine gezielte Bejagung.

Andere Störenfriede kann man nicht jagen. „Geocaching ist zu einem echten Ärgernis geworden“, so Münch. Darunter leide die Natur insgesamt, vor allem aber das Wild. Die moderne Form der „Schatzsuche“ sei eine schöne Sache, wenn sich die Spieler an die Regeln hielten und nahe bei den Wegen blieben. Genau das aber tun viele nicht, die mit einem GPS-Empfänger durch den Wald trampeln, um die „Verstecke“ (Englisch: caches) zu finden, in denen Kleinigkeiten zum Tauschen deponiert sind. „Ganz schlimme Unsitten sind Geocaching-Partys und Cachen bei Nacht“, ergänzt Kurt Schäfer.

Zum Schluss sei noch mit einem Klischee aufgeräumt. Auf gerade mal 20 Prozent taxiert Schäfer die Zeit, die er im Freien verbringt. Den weitaus größten Teil seiner Arbeit erledigt ein Forstamtsleiter am Schreibtisch.

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