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Wüstenfotograf Michael Martin zieht bei Vortrag in der Stadthalle Langen 600 Zuschauer in seinen Bann

Abenteurer aus Leidenschaft

Langen - Weite. Unendliche Weite. Sanddünen, so weit das Auge reicht. Die Bilder, die Michael Martin in der Stadthalle zeigt, sind prädestiniert dafür, Fernweh zu erzeugen. Von Markus Schaible

Michael Martin

© p

Michael Martin

Einfach mal aussteigen, den tristen Arbeitsalltag hinter sich lassen – wer hat nicht schon mal davon geträumt? Zugegeben, die Ziele, die der Münchner Fotograf bereist, sind nichts für den Otto-Normalurlauber. Für Fahrten durch die Wüsten dieser Welt ist schon eine große Portion Abenteuerlust nötig. Aber Michael Martin ist genau dieses: Abenteurer. Und mit Sicherheit wünscht sich so mancher der rund 600 Zuschauer des Vortrags, ein bisschen was von Martins Abenteuerlust in sich aufnehmen zu können. Denn der 48-Jährige vermag es, seine Begeisterung so gut rüberzubringen, dass selbst die Aussicht auf Temperaturen weit jenseits der 50 Grad nicht wirklich abschreckend wirkt.

Als Wüstenfotograf hat sich Michael Martin weltweit einen Namen gemacht, sein in mehrere Sprachen übersetzter Bildband „Die Wüsten der Erde“ gilt als Standardwerk. Sein neuer Vortrag, mit dem er nun die Republik bereist, bietet allerdings viel mehr als nur spektakuläre Aufnahmen aus der Sahara, aus der Kalahari oder aus Afghanistan. Er gewährt einen Blick hinter die Kulissen, auf „30 Jahre Abenteuer“. Und das in überaus unterhaltsamer, oft humorvoller Weise, sodass die zweieinhalb Stunden keine Minute langweilig sind.

Wie wird man das überhaupt – Abenteurer?

Wie wird man das überhaupt – Abenteurer? Bei Michael Martin fing alles mit der Faszination für den Sternenhimmel an. Die ließ ihn schon in jungen Jahren mit seinem Kumpel Achim Mende am Wochenende aus der Nähe von Augsburg mit dem Fahrrad zehn Stunden in die Alpen fahren, auf der Suche nach einem Berggipfel ohne Streulicht, der einen besseren Blick gen Nachthimmel erlaubte. Gerade 17-jährig, machten sie sich mit zwei Mofas nach Marokko auf, um das Kreuz des Südens zu sehen. Die Bilder davon rufen Belustigung im Saal hervor – überhaupt darf viel gelacht werden, wenn Michael Martin erzählt.

Auf dem afrikanischen Kontinent angekommen, begeisterte die beiden die Wüste noch viel mehr als der Himmel. Und Martins Leidenschaft war geboren.

Fortan zog es ihn mit wechselnden Begleitern immer wieder in den Süden. Den Autoführerschein gerade eineinhalb Stunden in Händen, rollte er gen Sahara. Die Autos: mehr Schrott als alles andere. Die Bilder davon rufen Belustigung ... – aber das hatten wir ja bereits. 100 Mark, so erfahren die Besucher, war damals der gängige Preis für einen VW-Bus ohne TÜV. Der war allerdings oft auch trotz größerer Reparaturarbeiten nicht zu erhalten. Später stiegen Michael Martin und seine Freunde auf Peugeot 504 um – die Wagen erfreuten sich bei Politikern und reichen Leuten in westafrikanischen Ländern großer Beliebtheit und versprachen Gewinne, die die ganze Reise finanzierten. Da störte es offenbar auch nicht, wenn Holzkeile oder gar eine unter den Wagen geschweißte Eisenbahnschiene das Durchbrechen des Motors verhinderte. Die Bilder davon ...

Mit dem Motorrad durch die Wüsten

Heutzutage reist der Münchner sehr zur Freude eines großen Münchner Herstellers mit dem Motorrad durch die Wüsten und fotografiert immer noch. Seinen ersten Vortrag hielt er im Übrigen zusammen mit Achim Mende mit 15, acht zahlende Zuschauer waren gekommen. „Aber denen hat es gefallen und uns auch.“

Für seinen neuen Vortrag hat der 48-Jährige eine Million Dias gesichtet, in vier Monaten erst auf 100.000 und letztlich auf 1400 reduziert. Dazu 50 Musikstücke ausgesucht (was passt besser zu Wüstenaufnahmen als Pink Floyd’s „Shine on you crazy diamond“?) und viele Anekdoten zusammengetragen. Dass da nicht viel Zeit bleibt, tiefer in einzelne Themen einzusteigen – zum Beispiel, wenn er kurz die Desertifikation anspricht, die fortschreitende Wüstenbildung, die zumeist durch Überweidung, Übernutzung und Abholzung hervorgerufen wird – ist schade, aber verständlich. Doch trotz aller Routine nach bereits 1700 gehaltenen Präsentationen in seinem Leben kann jeder im Publikum die Leidenschaft Michael Martins spüren – und sich ein wenig mitreißen lassen.

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