Mühlheim - Es ist genau diese Phase. Die Temperaturen liegen zwar schon seit acht Tagen deutlich über null Grad, aber eben nur am Tag. Nachts können sie noch kräftig sinken. Das hat zur Folge, dass so mancher See und Teich in der Region noch immer zugefroren ist. Von Michael Prochnow

© Michael
Fabian Haupt und Heiko Näther von der DRLG-Ortsgruppe Mühlheim übten den Einsatz auf dem Eis mit einem so genannten Rescue-Sled (Rettungsschlitten).
Und dieser Umstand verleitet immer wieder Kinder, aber auch Erwachsene dazu, die Eisflächen zu betreten. „Die hatten in den vergangenen Jahren viele Schutzengel“, interpretiert Martin Deiß von der DLRG-Ortsgruppe Mühlheim, dass bei solchen Ausflügen in der jüngsten Vergangenheit nichts passiert ist. Trotzdem wollen die Lebensretter des Bezirks Rodgau-Dreieich gerüstet sein und üben am Samstag die Eisrettung auf dem Hainburger Badesee.
35 Aktive aus den Ortsgruppen Seligenstadt, Mainflingen, Mühlheim und Hainburg sowie mehrere Zuschauer aus deren Reihen beteiligen sich an der Unterweisung im Strandbad Klein-Krotzenburg. Dabei zeigen die „alten Hasen“ den jüngeren Kameraden, wie’s geht. Sie stellen verschiedene Rettungstechniken und -geräte vor, mit denen sich Helfer einer eingebrochenen Person nähern, sie aus dem eisigen Wasser ziehen und sicher ans Ufer bringen können.
Die älteste Methode ist wohl die Fortbewegung auf zwei Steckleiter-Elementen: Während der Retter auf einem Teil liegt, zieht er das andere vor sich und robbt darauf. So werde das Körpergewicht auf eine möglichst große Fläche verteilt, erläutert Deiß. Und das könne bei einer Eisdicke von lediglich 19 Zentimetern lebenswichtig sein.
Rescue-Sled, Rettungsschlitten, nennt sich eine Luftmatratze aus stabiler Lkw-Plane, die mittels einer Pressluftflasche innnerhalb weniger Sekunden aufgeblasen ist. Sie lässt sich auf dem Eis wie ein Schlitten einsetzen. Bricht die Oberfläche, dient sie als eine Art Schlauchboot.
Das müssen die Teilnehmer Fabian Haupt und Heiko Näther aus der Mühlenstadt bei der Bezirksübung nicht testen. Der Untergrund ächzt zwar, hält aber stand. Es vergehen noch einige Minuten, bis der Taucher auf das Gefährt gezerrt ist, doch der „Eingebrochene“ landet samt den Lebensrettern sicher am Strand. Über einen Rescue- Sled verfügt im Bezirk allein die DLRG Mühlheim.
Das Vorgehen ist auch mit dem Spineboard, einem amerikanischen Modell, das Gleiche. Ganz vorsichtig schieben sich die Ehrenamtlichen über die kalte Oberfläche, die Trage mit den vielen Griffen an der Seite im Schlepptau. Darauf wird die aus dem Wasser gezogene Person mit Gurten wie mit einem Spinnennetz festgeschnallt. Das Kunststoffgerät kann ebenfalls wie ein Schlitten auf Schnee genutzt werden.
Später wiederholen weitere DLRGler den Rettungsprozess, dann mit einer Schleifkorb-Trage. Dieses Modell besteht aus einer festen Plastikschale, drumherum sind Schwimmkörper angebracht. Bricht das Gerät ein, schwebt es knapp unter der Wasserfläche, erklärt Lebensretter Deiß.
Wie bei jedem Versuch, wird sowohl das Personal als auch das Gerät mit Leinen gesichert, die Retter mit festem Boden unter den Füßen fixieren. Zu einem Erfahrungsaustausch und zum Aufwärmen treffen sich die Helfer danach bei heißen Getränken.
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