Mühlheim - „Da ist keiner drin!“ Mit einem gewissen Respekt in der Stimme, aber dennoch entschieden versucht die Bäckersgattin das weitere Vordringen der Wesen mit den rüsselartigen Geräten vorm Gesicht und dem stählernen Ding auf dem Rücken zu verhindern. Von Michael Prochnow

© Michael
Vor dem Backofen der Bäckerei Schwenger fanden zwei Wehrleute eine von zwei „vermissten Personen“.
Verständnisvoll machen die beiden auf allen Vieren kehrt und rutschen über ihr breites Stoffband wieder zurück in die Backstube. „Das ist schon komisch, wenn man nicht weiß, wer hinter so einer Maske steckt“, sagt Mona Schwenger etwas erleichtert und gibt dabei zu erkennen, dass sie die Situation durchschaut hat: Die Dietesheimer Freiwillige Feuerwehr hat ihre Abschlussübung in den Backbetrieb an der Hanauer Straße gelegt.
Und Hausherr Hans-Peter Schwenger hatte seine Ehefrau nicht vorgewarnt, die Übung sollte so ein bisschen realistischer ausfallen, sagt der ehemalige Wehrführer mit einem Grinsen. „Diese Bäckerei wird als eine der besten in Deutschland empfohlen“, wirbt eine Auszeichnung am Eingang. Für die Helfer in den schwarzen Schutzanzügen ist es nun auch eine der bekanntesten Produktionsstätten. Und das kann im Ernstfall nicht nur die kostspielige Einrichtung retten, sondern vor allem auch Menschenleben.
So lautet auch die Annahme für die Übung zum Ende der Freiluftsaison für die Feuerwehrmänner: Arbeiter einer Fachfirma haben zwei Fahrzeuge im Hof des Unternehmens geparkt. An einem der Kleinlaster knallt es plötzlich, Rauch tritt aus dem Wageninneren. Arbeiter, die Reparaturen am Backofen ausführen, melden zwei vermisste Kollegen.
Die Einsatzkräfte haben es nicht weit. Mit Blaulicht und Martinshorn zweier Löschfahrzeuge rücken 20 Aktive an, sperren eine Spur der „Hanauer“ ab. Im Hof geht es darum, trotz der Enge die Suche nach den Vermissten aufzunehmen und das brennende Auto zu löschen. Zwei Trupps betreten die Backstube unter Atemschutz und führen einen Schlauch für einen Schnellangriff mit sich.
Auf die erste Person stoßen sie rasch, die Puppe liegt direkt vor dem Backofen. Die Suche nach der Nummer Zwei zieht sich allerdings dahin. Die Helfer krabbeln bis in die Privatgemächer, während der Feuerwehr-Fotograf das Vorgehen mit einem schelmischen Lächeln begleitet. Er weiß, wo sich die andere Figur befindet, „aber ich darf nix sagen!“. Kameraden, die ein C-Rohr auf die Nachbargebäude richten, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern, stoßen schließlich auf den zweiten Vermissten: Auf der Außentoilette, die Ausflüglern auf dem Mainradweg dient.
Stadtbrandinspektor Heribert Hennig und Wehrführer Andreas Picard nicken zufrieden und zeigen sich mit der Lösung der Aufgabe zufrieden. „Im Ernstfall müssen wir noch mehr Licht machen“, fasst Hennig zusammen. Aber angesichts des Regens haben sie auf noch mehr Wirklichkeitsnähe verzichtet. Zur Manöverkritik und Stärkung geht’s in die Floriansstube. Dort werden sich die Brandschützer während der nächsten Monate häufiger treffen. Wenn über den Winter nicht im Freien trainiert wird, heißt das keineswegs, dass sich die Ehrenamtlichen nicht weiterbilden. Jetzt wird eben Theorie gepaukt.
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