Mühlheim - Monatelang haben die drei Männer geplant und gearbeitet, haben katalogisiert und kostbare Exponate zuerst vorsichtig ein- und Wochen später wieder ausgepackt, vergilbte Schautafeln neu gestaltet. Von Barbara Hoven

© Jordan/Hoven
Mit viel Enthusiasmus haben Mitglieder der Vor- und Frühgeschichtlichen Arbeitsgruppe die Dauerausstellung im Stadtmuseum neu gestaltet.
„Fundgegenstände dürfen niemals sichtbar in Vitrinen beerdigt werden“, formuliert Richard Plackinger von der Vor- und Frühgeschichtlichen Arbeitsgruppe Mühlheim seinen Anspruch. „Sie müssen durch informative Präsentation mit Fotos, erläuternden Grafiken und Texten zum Leben erweckt werden.“ Nur so gelinge es, die Ausstellung wirklich zum Betrachter sprechen zu lassen.
Wie gut es Plackinger (68) und seinen Mitstreitern Horst Becker (73) und Günter Meyer (86) gelungen ist, die Gegenstände auch in ihren Fundzusammenhängen zu präsentieren, davon konnten sich Geladene gestern bei der Präsentation der neu gestalteten Vor- und Frühgeschichtlichen Dauerausstellung im Stadtmuseum überzeugen. Nötig geworden war der Ab- und Wiederaufbau der gesamten Dauerausstellung, weil die Stadt seit August vergangenen Jahres das älteste Steingebäude Mühlheims für rund 235.000 Euro komplett saniert hat.
Für die Unterstützung, fürs Sichern der Ausstellungsstücke und den Wiederaufbau gab’s gestern „ganz besonderen Dank“ und Präsente vom Bürgermeister. „Horst Becker und Richard Plackinger haben viele Stunden ehrenamtlich aufgewendet und Enthusiasmus gezeigt, um die Präsentation so gestalten zu können“, betonte Daniel Tybussek. Er würdigte vor allem auch den Einsatz von Günter Meyer. Der Mühlheimer ist Gründer der Vor- und Frühgeschichtlichen Gruppe und hatte es sich nun nicht nehmen lassen, sich trotz seiner 86 Jahre und einer Krankheit um die Restaurierung der Keramik zu kümmern.
Im Zuge der Sanierung wurden Vitrinen neu gestaltet, Schautafeln ausgetauscht und ein Grab aus den Archiven der Gruppe rekonstruiert, das bislang nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. „Es handelt sich dabei um das Brandgrab eines Mannes der Urnenfelderkultur um 1200 bis 700 vor Christus, das vor vielen Jahren im Stadtwald bei Baumfällarbeiten anhand von Streuscherben und Asche in einer aufgewühlten Traktorspur entdeckt wurde“, erläutert Plackinger. Zu sehen sind im Museum an der Offenbacher Straße neben der Keramik auch Beigaben wie Schalen, ein Ring und Tüllenpfeilspitzen sowie „typische Ausstattung eines Mannes dieser Zeit wie ein Rasiermesser mit durchbrochenem Ringgriff“.
„Wenn man sich jetzt davorstellt, sieht das alles so einladend aus, dass macht echt Lust, sich mit dem Leben unserer Vorfahren zu befassen“, schwärmte der Rathauschef gestern. In der anthropologischen Abteilung gibt es einen Überblick über die Entwicklung des Menschen, zudem werden vier archäologische Datierungsmethoden erläutert, damit die Besucher die zeitliche und kulturelle Einordnung der vor- und frühgeschichtlichen Funde nachvollziehen können.
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