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Wieder-Eröffnung vom Stadtmuseum in Mühlheim

Nicht in Vitrinen beerdigen

Mühlheim - Monatelang haben die drei Männer geplant und gearbeitet, haben katalogisiert und kostbare Exponate zuerst vorsichtig ein- und Wochen später wieder ausgepackt, vergilbte Schautafeln neu gestaltet. Von Barbara Hoven

© Jordan/Hoven

Mit viel Enthusiasmus haben Mitglieder der Vor- und Frühgeschichtlichen Arbeitsgruppe die Dauerausstellung im Stadtmuseum neu gestaltet.

„Fundgegenstände dürfen niemals sichtbar in Vitrinen beerdigt werden“, formuliert Richard Plackinger von der Vor- und Frühgeschichtlichen Arbeitsgruppe Mühlheim seinen Anspruch. „Sie müssen durch informative Präsentation mit Fotos, erläuternden Grafiken und Texten zum Leben erweckt werden.“ Nur so gelinge es, die Ausstellung wirklich zum Betrachter sprechen zu lassen.

Wie gut es Plackinger (68) und seinen Mitstreitern Horst Becker (73) und Günter Meyer (86) gelungen ist, die Gegenstände auch in ihren Fundzusammenhängen zu präsentieren, davon konnten sich Geladene gestern bei der Präsentation der neu gestalteten Vor- und Frühgeschichtlichen Dauerausstellung im Stadtmuseum überzeugen. Nötig geworden war der Ab- und Wiederaufbau der gesamten Dauerausstellung, weil die Stadt seit August vergangenen Jahres das älteste Steingebäude Mühlheims für rund 235.000 Euro komplett saniert hat.

Am 23. März wird nun die Wieder-Eröffnung gefeiert

Bereits seit mehr als einem Jahr konnte man das Museum daher bekanntlich nur von außen betrachten. Am 23. März wird nun die Wieder-Eröffnung gefeiert. Dabei soll das altbewährte Konzept weitergeführt werden. Heißt: Der Geschichtsverein zeigt im Erdgeschoss wechselnde Ausstellungen; und die Vor- und Frühgeschichtler geben im ersten Stock mit ihrer Ausstellung dauerhaft Einblicke in die Siedlungsgeschichte des Mühlheimer Raumes, die mit Fundstücken präzise belegt wird. Die Funde haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe, die bereits seit Ende der 1960er Jahre zusammenarbeitet, über Jahrzehnte nach und nach aus der Erde gepinselt, wissenschaftlich geborgen und restauriert. Sie umfassen einen Zeitraum von der „Werkzeugfabrik“ der Neandertaler bis zum Römischen Imperium. Die ältesten Exponate stammen aus der Altsteinzeit - zu sehen sind unter anderem Keramik, Waffen und Schmuckgegenstände.

Für die Unterstützung, fürs Sichern der Ausstellungsstücke und den Wiederaufbau gab’s gestern „ganz besonderen Dank“ und Präsente vom Bürgermeister. „Horst Becker und Richard Plackinger haben viele Stunden ehrenamtlich aufgewendet und Enthusiasmus gezeigt, um die Präsentation so gestalten zu können“, betonte Daniel Tybussek. Er würdigte vor allem auch den Einsatz von Günter Meyer. Der Mühlheimer ist Gründer der Vor- und Frühgeschichtlichen Gruppe und hatte es sich nun nicht nehmen lassen, sich trotz seiner 86 Jahre und einer Krankheit um die Restaurierung der Keramik zu kümmern.

Bei Sanierung wurden Vitrinen neu gestaltet

Im Zuge der Sanierung wurden Vitrinen neu gestaltet, Schautafeln ausgetauscht und ein Grab aus den Archiven der Gruppe rekonstruiert, das bislang nicht in der Öffentlichkeit gezeigt wurde. „Es handelt sich dabei um das Brandgrab eines Mannes der Urnenfelderkultur um 1200 bis 700 vor Christus, das vor vielen Jahren im Stadtwald bei Baumfällarbeiten anhand von Streuscherben und Asche in einer aufgewühlten Traktorspur entdeckt wurde“, erläutert Plackinger. Zu sehen sind im Museum an der Offenbacher Straße neben der Keramik auch Beigaben wie Schalen, ein Ring und Tüllenpfeilspitzen sowie „typische Ausstattung eines Mannes dieser Zeit wie ein Rasiermesser mit durchbrochenem Ringgriff“.

© Jordan/Hoven

Bereits bei der Einrichtung des Stadtmuseums im Jahr 1985 hatte sich die Vor- und Frühgeschichtliche Arbeitsgruppe besondere Verdienste erworben, erinnerte der Bürgermeister gestern. 1990 war die historisch bedeutsame Dauerausstellung, die weit über die Grenzen Hessens hinaus Beachtung genießt und unter anderem mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet wurde, um die „Evolutionsgeschichte“ erweitert worden.

„Wenn man sich jetzt davorstellt, sieht das alles so einladend aus, dass macht echt Lust, sich mit dem Leben unserer Vorfahren zu befassen“, schwärmte der Rathauschef gestern. In der anthropologischen Abteilung gibt es einen Überblick über die Entwicklung des Menschen, zudem werden vier archäologische Datierungsmethoden erläutert, damit die Besucher die zeitliche und kulturelle Einordnung der vor- und frühgeschichtlichen Funde nachvollziehen können.

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