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Ausstellung über Integration im Rathaus Neu-Isenburg: Sehnsucht nach dem anderen Land

Sehnsucht nach dem anderen Land

Neu-Isenburg - Die Wanderausstellung wird ihrem Titel gerecht. „Erfolgsgeschichten – Gesichter einer gelungenen Integration in Kreis und Stadt Offenbach“ ist selbst eine Erfolgsgeschichte. Von Enrico Sauda

© Sauda

Gesichter einer gelungenen Integration: Dr. Zahide Özkan-Rashed mit ihren Töchtern Nura (19, links) und Jasmin (12).

„Wir hatten ursprünglich 31 Bilder vorgesehen. Aber weil die Nachfrage so groß war und ist, mussten wir die Anzahl verdoppeln“, sagt Semra Kanisicak, Geschäftsführerin des Kreisausländerbeirates.

Nun sind zweimal 31 Fotos im Kreis und darüber hinaus unterwegs. In der Hugenottenstadt sind die Bilder im Foyer des Rathauses noch bis 13. Februar zu sehen. Zu den Menschen, die dort in den Rahmen ausgestellt sind, gehören die Isenburger Osman Erdogan, Dr. Zahide Özkan-Rashed, Ilknar Altinkir und Teja Rasica.

Als Erdogan, heute als Inhaber einer Autowerkstatt bekannt, 1978 als 17-Jähriger nach Deutschland kam, „war es sehr kalt und es lag mehr als ein Meter Schnee.“ Im Laufe der Jahre gelang es ihm, sich seinen Jugendtraum zu erfüllen. Er wurde Mechaniker, nachdem er einige andere Berufe ausprobiert hatte. Und er ging auch mal wieder zurück in die Türkei. Aber egal, wo er sich aufhielt, immer fehlte ihm das andere Land, sagte er.

Fühlt sich nicht als Ausländer

Als Ausländer fühlt sich Erdogan in Deutschland aber auf keinen Fall. Er fühle sich hier so sehr verwurzelt, dass ihm erst jetzt, durch die Ausstellung, bewusst geworden sei, dass er Türke ist.

Länger als Erdogan ist Dr. Zahide Özkan-Rashed in Deutschland. 1964 zog die Familie ihrem Vater nach. „Wir wollten eigentlich nur zwei oder drei Jahre bleiben“, erinnert sich die Frau, die damals zwei Jahre alt war. „Jetzt sind es fast 50.“ Lange wohnte die Familie zu sechst in einer Zweizimmerwohnung. Dank eiserner Disziplin legte Zahide Özkan-Rashed das Abitur ab und wurde Ärztin.

Ilknar Altinkir ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Seine beiden Kinder erzieht er zweisprachig. Und Teja Rasica schließlich, Vorsitzende des kroatischen Vereins, fühlt sich in der Hugenottenstadt zuhause. „Neu-Isenburg, das ist für mich die Heimat“, sagt sie.

Ausgesucht hatte die zwei Frauen und zwei Männer Paola Fabbri-Lipsch, Integrationsbeauftrage der Stadt, die sich mit dem Andrang bei der Vernissage sehr zufrieden zeigte. Etwa 120 Interessierte waren zur Eröffnung gekommen. „Das bestätigt, dass das Zusammenleben funktioniert“, meint Fabbri-Lipsch.

Erfolge der Integrationspolitik

Bürgermeister Herbert Hunkel war es wichtig, auf die Erfolge der Integrationspolitik hinzuweisen. In Neu-Isenburg bereicherten italienische und türkische Unternehmen das Stadtbild, „der Klang verschiedener Sprachen auf der Straße, die Multikulturalität in unseren Kindergärten und Schulen – das alles gehört längst zum Erscheinungsbild unserer Stadt.“

Anlass für die Ausstellung, die innerhalb von neun Wochen auf die Beine gestellt wurde, war der 50. Jahrestages des Anwerbeabkommens mit der Türkei. Semra Kanisicak war es, die den 43-jährigen Fotografen Ömar Aktas aussuchte.

Die Arbeit an der Schau habe ihm Einblicke in die Lebensweise vieler verschiedener Nationalitäten erlaubt, sagt Aktas, der selbst Türke ist. „Und ich habe gesehen, dass es den meisten Ausländern sehr gut geht“. Ein Bild, das er zuvor so nicht hatte, weil er mit problematischen Jugendlichen gearbeitet hat.

„Während der Wochen, die wir gebraucht haben, um die Ausstellung zusammenzustellen, ist mir eins klar geworden: Wenn die Eltern sich um ihre Kinder kümmern, dann werden auch diese Erfolg im Leben haben.“

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