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Beispiel für gelebte Integration

Neu-Isenburg ‐ „Sie haben eine reiche Tradition, eine große Geschichte, aber Sie sind kein alter Verein“, sagte Innenminister Volker Bouffier beim Festakt anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Turn- und Sportgemeinschaft (TSG) im TSG-Vereinsheim. Von Enrico Sauda

© Sauda

Innenminister Volker Bouffier (links) und Landrat Oliver Quilling (rechts) überreichten Karl-Heinz Groh, Vorsitzender der TSG, die Silberne Ehrenplakette des Landes, als Würdigung für die Verdienste des Verein um den Sport.

Der Minister erinnerte in seiner Rede an die Leistungen, die der Verein in den mehr als zwölf Jahrzehnten erbracht hat. „In dieser Zeit ist buchstäblich kein Stein auf dem anderen geblieben, aber die TSG ist immer noch da“, sagte Bouffier. Nicht zuletzt das demonstriere, „dass Vereine den Kitt unserer Gesellschaft bilden“. Der Staat könne die Aufgaben, die Vereine erledigen, nicht meistern, „deshalb gilt ihnen unsere Anerkennung für diese Daueraufgabe“. In ihnen werde klassenlose Integration gelebt, und deshalb sei Geld, das in den Breitensport fließe, sinnvoll angelegt.

Das hörte Vorsitzender Karl-Heinz Groh gern. Schließlich will die TSG die bestehende Halle ausbauen. „Wir werden sicher einen angemessenen ‚Punkt‘ für Sie finden“, sagte Bouffier in seiner Ansprache in Bezug auf den Ausbau. Zuvor hatte Groh, der seit 24 Jahren die Geschicke der TSG leitet, in seiner Rede die Vereinshistorie Revue passieren ließ.

Er erinnerte an die acht Männer, die im Gasthaus Zum Engel 1885 die Turngemeinde ins Leben riefen. Es waren Fritz Schäfer, Wilhelm Ochs, Karl Knippel, Felix Breitner, Heinrich Friedrich, Isaak Kabel, Heinrich Streb, Josef Obst und Lorenz Koch. 1899 wurden die Freien Turner gegründet, die nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges 1953 mit der Turngemeinde zur TSG fusionierten. Er zählte weitere Meilensteine der Vereinsgeschichte auf, etwa den Umzug von der Beethovenstraße in den Buchenbusch und den Bau der Halle sowie des Vereinsheims.

Des Weiteren gab Groh einen Überblick über die Stärken des Clubs, der mit mehr als 1 000 Mitgliedern und acht Abteilungen zu den größten der Hugenottenstadt gehört.

„Unsere Sportler repräsentieren Neu-Isenburg weit über Hessens Grenzen hinaus“, hob Groh hervor und mahnte, dass die Jugendvereinsarbeit „heute wichtiger denn je“ sei. Die TSG könne stolz sein über den sozialen Beitrag, den sie leiste.

„Bei uns wird nicht von Integration gesprochen, sondern gehandelt“, rief Groh und erwähnte in diesem Kontext das Streetworkerprojekt, das der Verein seit April des vergangenen Jahres beherbergt. „Für uns war es wichtig, der Stadt zu helfen.“

Auch Erster Stadtrat Herbert Hunkel lobte den Verein als „schönes Beispiel für gelebte Integration“. Die TSG übernehme in vielen Bereichen gesellschaftliche Verantwortung mit „hervorragenden Ergebnissen“, sagte Hunkel mit Blick auf die mobile Jugendhilfe.

Der Erste Stadtrat machte auch darauf aufmerksam, dass die Vereinsarbeit ohne engagierte Mitglieder nicht möglich sei. Für ihre Verdienste zeichnete er Vier von ihnen aus. Zuvor hatte der Innenminister den Verein bereits für seine Verdienste um den Sport mit der Silbernen Ehrenplakette des Landes ausgezeichnet.

Hunkel überreichte anschließend dem Vorsitzenden Karl-Heinz Groh und der „guten Seele der TSG“, Rosemarie Czernio, die Ehrenplakette der Stadt. Über ihre Auszeichnung konnte sich Rosemarie Czernio, die seit 1975 die Gymnastik- und Turnabteilung leitet, aber nicht so richtig freuen, weil ihr Mann vor zwei Wochen während der Gaumeisterschaften niedergestochen und schwer worden verletzt war. „Ich trainiere nur Mädchen und ich wünsche mir mehr Schutz vor Verbrechen.“

Kerstin Zimmermann und Horst Knippel erhielten für ihren langjährigen Einsatz und die Verdienste um den Sport die Bürgermedaille der Stadt.

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