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Stadtfotografin Anja Thomé spürt in ihrer Ausstellung die Religiosität von Isenburger Einwohnern auf

Glaubensvielfalt in Schwarz-Weiß

Neu-Isenburg - Sie ist die erste Frau, die dieses Mandat erhalten hat, und die erste Fotografin, die sich ausschließlich auf Porträts konzentriert. Von Enrico Sauda

Anja Thomé mit einem ihrer „Models“ bei der Vernissage in der Stadtbücherei.

© Sauda

Anja Thomé mit einem ihrer „Models“ bei der Vernissage in der Stadtbücherei. Die Schau ist noch bis Ende Mai zu sehen.

Stadtfotografin Anja Thomé zeigt in der Stadtbibliothek unter dem Titel „Die multikulturelle Stadt im Sucher: Menschen und Religionen - Glaube ist Vielfalt“ mehr als 40 Fotos von Menschen unterschiedlichster Glaubensrichtungen. Die Schwarz-Weiß-Bilder sprechen nicht für sich allein, sondern die 1966 geborene Frau befragte ihre „Models“. Deren Aussagen zum Thema Religion kleben nun bis Ende Mai unter ihren Konterfeis. „Farbe lenkt zu sehr von der wesentlichen Bildaussage ab“, sagt Anja Thomé. Generell seien die Fotos, die sie am meisten fasziniert hätten, in Schwarz-Weiß gehalten.

Seit 2005 benennt das Forum zur Förderung von Kunst und Kultur einen Stadtfotografen. Dessen Aufgabe ist es, zwölf Monate lang durch die Stadt zu streifen und unter persönlichen Gesichtspunkten die Stadt visuell in Szene zu setzen. Das haben vor Anja Thomé, die seit mehr als drei Jahren in Isenburg wohnt, Stefan Daub, Marcus Stroh, Leo F. Postl, Enrico Sauda sowie Reinhard Zimmermann getan.

„Beeindruckende Fotos, die dokumentieren, wie vielfältig unsere Stadt ist“

Kulturdezernent Theo Wershoven drückte das bei der sehr gut besuchten Vernissage so aus: „Es geht nicht nur um Fotos, sondern darum, die Stadt unter Berücksichtigung eines Themas mit ihren Facetten erlebbar zu machen.“ Das sei Anja Thomé trefflich gelungen. „Sie hat die Menschen fotografisch ausgewählt, die aus aller Herren Länder ihren Weg in unsere Stadt gefunden haben.“

Ursprünglich, räumte Anja Thomé in ihrer Rede ein, hätte die Breite der vertretenen Religionen noch größer sein sollen. Aber in letzter Minute hagelte es Absagen. Trotzdem: „Es sind beeindruckende Fotos, die dokumentieren, wie vielfältig unsere Stadt ist“, so Wershoven. Dank der Texte unter den Bildern, die Aussagen der Abgelichteten zu ihrem Verhältnis zur Religion enthalten, „wird deutlich, wie viele Religionen hier ein Zuhause gefunden haben“, hob der Kulturdezernent hervor.

„Es ist wenig asiatische Religiosität zu sehen“, bemängelte Pfarrer Matthias Loesch von der evangelisch reformierten Marktplatzgemeinde. Doch dies sei das Einzige, was es zu mäkeln gäbe und Absagen geschuldet. Daher verstehe sie ihre Schau nicht als Querschnitt, „sondern als Ausschnitt der Religionen in Neu-Isenburg“, erwiderte die Stadtfotografin.

Ohne viel Schnickschnack entstanden die Aufnahmen im Freien

Die Idee, Porträts zu machen, kam Anja Thomé bereits früh. Den religiösen Kontext habe sie aus Interesse gewählt, so die Frau, die in einem sozialen Beruf arbeitet. Dabei sei es ihr weniger um die Religionen an sich gegangen, als darum, zu erfahren, warum die Menschen glauben. „In der Regel bin ich offen empfangen worden.“ Doch nicht jeder, mit dem sie über die Gemeinden einen Termin ausgemacht oder den sie auf der Straße angesprochen hatte, sei bereit gewesen, sich ablichten zu lassen. „Verständlich, denn es ist eine sehr persönliche Aussage.“ Meistens aber sei sie fasziniert gewesen, „wie offen und authentisch Menschen über ihren Glauben reden“.

Von März bis April war Anja Thomé mit ihrer in die Jahre gekommenen digitalen Spiegelreflexkamera in den Straßen der Hugenottenstadt unterwegs. Ohne viel Schnickschnack entstanden die Aufnahmen im Freien. Der alte Apparat gab dann – just als sie Pfarrerin Susanne Lenz fotografieren wollte – den Geist auf. „Ich musste mir eine borgen, dann ging’s weiter.“

Seit acht Jahren fotografiert Anja Thomé – „weil es mich interessiert, Dinge genauer anzuschauen“. Mit dem Ergebnis ihrer Arbeit ist sie zufrieden. „Die Persönlichkeit kommt in den Bildern zur Geltung“. Die Resonanz freute die Stadtfotografin ebenfalls. Schließlich waren zur Vernissage viele der Abgelichteten gekommen, um sich und die anderen zu bestaunen.

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