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Bei der Ausstellung „Junge Malerei aus Polen“ in der Stadtgalerie sind 36 Werke von acht Künstlern zu sehen

Hanna will ein Gegenstand sein

210.02.10|Neu-Isenburg|Neu-Isenburg|
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Artikel: Hanna will ein Gegenstand sein

Neu-Isenburg ‐ Ein Mädchen oder eine junge Frau steht vor einem weißen Hintergrund. Sie trägt ein Mickey-Mouse-T-Shirt und hält eine grellgrüne Tüte in ihrer rechten Hand. Rechts von der Frau steht in großen Lettern in polnischer Sprache: „Hanna, 26, möchte manchmal ein Gegenstand sein.“ Von Enrico Sauda

Sauda

© Sauda

Blick auf zwei von 36 Gemälden, die zurzeit in der Stadtgalerie ausgestellt sind.

Das Bild von Hanna Sliwinska, das zurzeit in der Stadtgalerie im Bürgeramt an der Schulgasse 1 hängt, gehört zu der Ausstellung „Junge Malerei aus Polen“, die noch bis Mittwoch, 31. März, zu sehen ist. Es gehört zu insgesamt 36 Werken von acht Künstlern zwischen 25 und 30 Jahren aus Breslau, Krakau und Warschau.

Zustande gekommen ist die Schau auf Initiative von Dr. Bettina Stuckard vom Kulturbüro der Stadt. „Ich hatte im Internet das Kompetenzzentrum für junge polnische Kunst ‚Bestrearts‘ in Frankfurt entdeckt und mit Ewa Nowik, der Geschäftsführerin, Kontakt aufgenommen.“ Das war im vergangenen Sommer. Daraufhin besuchte Bettina Stuckard das Zentrum am Deutschherrnufer, und gemeinsam mit Nowik wählte sie unter rund 900 Werken die aus, die nun in der Hugenottenstadt hängen. Es sind Arbeiten von Lidia Krawczyk und Wojtek Kubiak, Hanna Sliwinska, Michal Kotula, Jarek Jeschke, Alexandra Urban, Bartek Kokosinski, Michal Korchowiec sowie Justyna Adamczyk, auf die ihre Wahl fiel. „Dabei handelt es sich um in Polen anerkannte, renommierte Künstler“, versichert Ewa Nowik. Ziel der Kunsthistorikerin, Kuratorin und Galeristin ist es unter anderem, die Zusammenarbeit zwischen Kunst und Wirtschaft, Sammlern und Kuratoren zu fördern. „Deshalb haben wir das Kompetenzzentrum 2006 gegründet“, erklärt die 31-Jährige.

Tendenzen des Kunstmarkts im Nachbarland entdecken

In Zusammenarbeit mit mehreren polnischen Galerien, Kunstvereinen und Kuratoren informiert und berät es Institutsleiter, Kuratoren und Sammler über aktuelle Tendenzen des Kunstmarktes des Nachbarstaates. „Wir arbeiten nur auf Anfrage, denn es geht uns nicht um Kommerzialisierung oder Massenabfertigung“, betont Ewa Nowik. Sie erstellt zudem gerade ein Archiv, das Vita, Werke und Entwicklung der jungen polnischen Künstler enthalten soll.

In der Gemeinschaftsausstellung, die unter der Schirmherrschaft des polnischen Generalkonsulats Köln steht, zeigen die acht Künstler eine Mischung aus abstrakter, gegenständlicher und surrealer Malerei. Sie repräsentieren somit die neuesten Tendenzen des polnischen Kunstmarktes.

Das Konzept hinter der Schau umfasst künstlerische Positionen, die sich mit Themen wie Identität, Herkunft, Leben, Konsum und Einflüssen der Medienwelt auseinander setzen. Die Maler beschäftigen sich in ihren Bildern mit Problemen des alltäglichen Lebens. In ihren Werken arbeiten sie Inhalte heraus, die in der Gesellschaft eher in den Hintergrund gerückt werden, weil sie entweder an Wertigkeit verloren haben, als selbstverständlich oder unangenehm angesehen werden.

Projekte zum Thema Sexualität

So verwirklicht das in Polen bekannte Paar Lidia Krawczyk und Wojtek Kubiak seit sechs Jahren gemeinsame Projekte zum Thema Sexualität, Geschlecht und soziale Machtstrukturen. In der Stadtgalerie ist eine Auswahl aus der Serie „Hostia“ (slowakisch für Gäste) zu sehen.

Hanna Sliwinska ist mit Arbeiten vertreten, die einen Querschnitt durch das Lebensgefühl einer Generation zeigen. Diese musste sich durch gesellschaftspolitische Veränderungen stärker als andere zuvor mit einem geforderten Individualismus befassen. Michal Kotula beschäftigt sich in seinen Gemälden ebenfalls mit Menschen und Lebensräumen. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine konzentrierte Flächengestaltung aus, die das Dargestellte entfremdet und somit neu erfahrbar macht.

Suche nach der Herkunft des Lebens

Die Malerei von Jarek Jeschke zeigt Mikroorganismen. Sein Interesse gilt der Suche nach der Herkunft des Lebens - und die stellt er mit abstrakten Formen dar. Um Fantasiewelten geht es bei Alexandra Urban. Surreale Figuren und groteske Gesichter sind ein immer wiederkehrendes Merkmal.

Mit seiner Serie „Euromonster“ zeigt Bartek Kokosinski eine ganz neue Entwicklung seiner Malerei. Er wählt große Formate und farbenfrohe, abstrakte Formen sowie Motive. Mit Menschen aus seinem engsten Umfeld und seiner eigenen emotionalen Welt befasst sich Michal Korchowiec. Justyna Adamczyk spielt in ihren Werken mit dem Zufall und der bewussten Formgebung.

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