Obertshausen - Es ist immer wieder eine waghalsige Gratwanderung, an deren Ende ein Kompromiss steht. Schon früh im Chorjahr beginnen die Diskussionen in den vier Ensembles, was denn am ersten Sonntag im November „Hausen singt“. Von Michael Prochnow

© Michael
Dr. Martin Trageser (links) eröffnete mit dem Männerchor der Sängerlust und festlichen Melodien das traditionsreiche Konzert.
Der VereinSängerlust Hausen hat eine Verjüngungskur nämlich bereits absolviert - sein Publikum noch nicht. Manche Besucher saßen schon bei der ersten Veranstaltung vor sage und schreibe 35 Jahren in den Reihen des großen Saales im Bürgerhaus. Die Nachwuchs-Formationen führen daneben Familien und Freunde an die Feier der Chor-Kultur. Damit hat der Vorstand gemeinsam mit der Musikschule das Tor in die Zukunft der Gemeinschaft weit aufgestoßen.
Damit scheint die Frage, ob die Künstler im Rampenlicht ihrem eigenen Interesse oder den Erwartungen ihrer Anhänger folgen, beantwortet. Die Erfolgsspur führt über den goldenen Mittelweg mit klassischen Chorwerken und modernen, aktuellen Arrangements und soll die enge Verbindung zwischen Sängerinnen und Sängern sowie ihren Anhängern fortsetzen.
Dann dokumentierten sie aufs Neue, dass auch Volkslieder Kreativität erlauben. Trageser hatte Sätze von Rudolf Desch für den „wachsamen Hahn“ gewählt und für die Aufforderung, „Horch, was kommt von draußen rein“. Auch der von der Sängerlust gut gepflegte Brauch des „offenen Singens“, der dem Konzert den Namen verleiht, bedient die treuen Freunde der anspruchsvollen Geselligkeit: Die Chorleiter wenden sich dem Publikum, und sogar Sitznachbarn, die sonst die Zähne nicht auseinander bekommen, schmettern aus voller Brust, „Gold und Silber lieb’ ich sehr“, ein aktuelles „Börsenlied“, wie Moderator Oskar Mürell titelte.
Auch für den Poeten und Sangesfreund mit der sonoren Stimme fanden die Gastgeber einen würdigen Kollegen der nächsten Generation, Florian Reitz präsentierte die Auftritte der jüngeren Gruppierungen fachkundig sowie charmant. So dokumentierte er mit dem Teeniechor, dass der deutsche Pop erwachsen geworden und auf der internationalen Bühne angekommen sei. Ein Dutzend junger Mädchen hatte das „Hungrige Herz“ von Mia und den Hit „Still“ von Jupiter Jones einstudiert, aber auch aktuelle, englischsprachige Werke von Bruno Mars und Elton John.
Leider fehlte am Sonntag fast die Hälfte der Truppe, bedauerte Leiter Krausch. Die elfjährige Naomi Richter begleitete den Kreis zart am Cello. Nach der Pause begeisterten einmal mehr die engagierten Musiker des Jugendchors 2000 Obertshausen, ergänzten achtstimmig „Apologize“ von „One Republic“. Die jungen Leute glänzten mit heiterem Ideenreichtum auf ungewöhnlichem Niveau.
Als „neuer Kammerchor“ wird bereits der Chor ‘84 gefeiert. Mit viel Feingefühl interpretierte er „Viva la Musica“, Jazz und Jive. Zum Finale schwelgten alle Chöre und das Publikum zu Leonard Cohens „Halleluja“.
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