416.02.10|Obertshausen|Obertshausen|
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Obertshausen ‐ Dass in der „liebenswerten Kleinstadt“ kein Karneval gefeiert werden kann, ist nur ein Gerücht. Die Rettung des Rufs als Fastnachtshochburg gelingt dem Katholischen Kirchenchor (KKCO) mit einem Rekord. Von Michael Prochnow

© Michael
Die Kirchenchor-Damen brachen eine Lanze für den Wintersport - und für hessische Männer.
Im Pfarrsaal St. Thomas Morus agieren die Narren vor der prächtigsten Kulisse weit und breit. Der Blickfang entstammt dem Pinselstrich des Malers Carlo Sebel, der wieder ein zum Motto passendes, stimmungsvolles Motiv schuf. Diesmal entsannen sich die Sänger einer Ansicht des Brandenburger Tors mit Fahrzeug und Personen im Stil der 30er Jahre. Also schmetterte der komplette Chor Gassenhauer aus der Hauptstadt des vergangenen Jahrhunderts: „Auf zur großen Sause, Berliner Luft in Obertshause’“.
Einen Gang höher schalteten vier Mädchen der Midi-Garde vom Lämmerspieler Carneval Verein, die akkurat die Beine warfen, flott und anmutig über die Bühne hüpften. Regina Lubezük, „sexy und adrett“, präsentierte sich als „schönster Zeitvertreib“, suchte einen Gefährten, der auch waschen und kochen kann.
Das Programm des KKCO bestach einmal mehr durch einen gesunden Mix aus Talenten aus den eigenen Reihen und Narren aus der näheren Nachbarschaft.
Zu denen zählte Siggi Müller aus Rodgau-Hainhausen, die als „Fastnachtsmuffel“ lispelte, stotterte und mit dem Publikum sang. Knochentrockener Humor, ebenso vorgetragen vom langen Werner Konrad und der etwas kürzer geratenen Petra Klein von der Heusenstammer Feuerwehr brachte den gut besuchten Saal zum Rasen. In schnodderigem Hessisch kredenzten sie vorzügliche Kalauer und Sprachspielereien in klassischen Dialogen zweier Doofer.
Auf Obertshausener Seite kann da Gerhard Abt mithalten, diesmal als „Grillgeschädigter“. In seiner unvergleichlichen Art beschreibt er die Entwicklung vom Chaos bis zum Inferno für die Siedlung mit einem mächtigen obendrein gereimten Wortschatz, in detaillierten Bildern und heftig gestikulierend.
Über Sprüche aus Himmel und Erde, von „Heiligen“ und von Grabsteinen amüsierten sich die „Kirchenbasen Fine und Berta“, Pfarrer Norbert Hofmann und Peter Pohl, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Die Rollen erlaubten auch einen Seitenhieb in Richtung jener, die nur zu Weihnachten den Gottesdienst besuchen. Darüber hinaus war der Reigen musikalisch geprägt, wie es sich für einen Chor gebührt.
„Guck ich weg von dem Fleck, ist der Überzieher weg.“ Hans Lötz gefiel mit dem schnellen Takt des „Palletots“ aus den 20er Jahren. Chorleiterin Lucia Herdt-Oechler begleitete auch die Damen im „Wintersport“. Die bewiesen, dass Klamauk und Vortragskunst keine Gegensätze sind, straften die Politiker-Schelte gegen Hartz-IV-Empfänger klangvoll ab, vertraten Disziplinen des Wintersports und wollten „’nen Hessen als Mann“.
Ausgefeilt und sehr gelungen war gleichsam der „Stimmungswechsel“, den Katharina Becker mit dem Ernst-Neger-Text einläutete, „es bleibt alles einmal hier“. Bierernst, mit eiserner Mine zogen dann sechs Witwen ein, verrieten, dass die Haltung der Gießkanne auf dem Friedhof signalisiere, „ich bin wieder zu haben“. Traditionell zum Finale kündigte auch das neue Moderatorenteam, Luise Kummer und Jürgen Stanull, das Männer-Doppel-Quartett mit schmissigen Melodien an, die heuer Film und Operette entstammten, begleitet von Gerhard und Michael Abt sowie Rainer Schwerdtner.
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