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Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen erprobt neues Konzept beim Schüleraustausch im Gastrobereich

„Horizont wird erweitert“

Obertshausen ‐ Bei Joshua hat das vorbildlich geklappt, das mit der Steigerung der interkulturellen Kompetenzen. In seinem Praktikumsbetrieb, einem Drei-Sterne-Restaurant bei Toulouse, durfte der Bäcker-Lehrling gleich Tauben köpfen. „Da gab‘s kein Erstmal-nur-Zugucken“, erzählte der 20-Jährige, „wir sollten von Anfang an komplett mitmachen!“ Von Michael Prochnow

© Michael

In der Kerschensteiner-Schule waren die Berufsschüler (stehend) Gastgeber, bekochten und bedienten ihre Partner aus dem französischen Nérac zum Start des gemeinsamen Praktikums in Hotels und Restaurants der Region.

Ein Dutzend Schüler der Zweijährigen Höheren Berufsfachschule mit Schwerpunkt Gastronomie und Tourismus an der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) und des Lycée Professionnel Jacques de Romas in Nérac in Südfrankreich haben in den vergangenen Monaten ihren Erfahrungshorizont erweitert, arbeiteten mit einem Partner der Gastgeber in einem Betrieb des jeweils anderen Landes.

Die Erfahrung, ins „kalte Wasser geworfen zu werden“, machen Schüler der Kerschensteiner-Schule regelmäßig. Schließlich gehört die Einrichtung zu den Vorreitern im Land, die neue Konzepte zuerst aufgreifen oder sie gar selbst entwickeln. So war das auch mit dem Gastro-Austausch.

Die Initiative ging von den Franzosen aus, sie suchten eine passende Partnerschule und wandten sich ans hessische Kultusministerium. Auch dort ist die „Kerschensteiner“ die „erste Adresse“, wenn es um Ernährung und innovative Unterrichtsformen geht.

Bei den Franzosen stehen bereits mehrere Praktika auf dem Stundenplan, ihre Ausbildung endet nach vier Jahren mit einer „Europaqualifikation“. Die Hessen beschäftigen sich auch mit Marketing und Tourismus und werden die Schule als staatliche geprüfte Assistenten im Bereich Hotellerie, Gastronomie und Fremdenverkehr und mit der Fachhochschulreife verlassen. Auf beiden Seiten jedoch fehlten Sprachkenntnisse.

Hohes Maß an Anpassungsfähigkeit war gefragt

Die Obertshausener organisierten kurzerhand einen Schnellkursus, der den Teilnehmern ein Grundvokabular und einige Fachbegriffe an die Hand gab. Ihre Kompetenz in französisch und englisch erwarben die jungen Leute dann in der Praxis von Küche und Gastraum.

Viele Betriebe, mit denen das Lycée seit Jahren kooperiert, erklärten sich spontan bereit, auch einen Praktikant aus dem Nachbarland zu betreuen, berichtete Claudia Vaas-Henely, Studienrätin an der GKS. Sie und Birgit Meese, die Klassenlehrerin der HBF GT, trafen sich im Vorfeld mit ihrer französischen Kollegin, besprachen das Programm des Aufenthalts bis hin zu den Anforderungen der unterschiedlichen Jugendschutzgesetze.

„Von den Schülern war ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit gefragt“, resümierte Fachlehrerin Vaas-Henely. Jeder Betrieb habe andere Arbeits- und Vorgehensweisen, denen sich die Praktikanten anpassen müssen. Es ging also um berufliche Erfahrungen, um eine „Horizonterweiterung im Bereich Küche und Service“. Dazu sollte das Praktikum die Erfordernisse des Arbeitsmarktes verdeutlichen, Mobilität innerhalb Europas, Zusammenarbeit in internationalen Teams, Flexibilität, Respekt vor dem Anderen.

Dazu diente auch ein Rahmenprogramm mit der Besichtigung einer Käseherstellung, eines Weinanbaus und anderer Lebensmittelbetriebe in Aquitanien zwischen Bordeaux und Toulouse.

Regionale Spezialitäten bildeten dabei einen Schwerpunkt des Projekts. Die Teilnehmer lebten in den Familien ihrer Partner und genossen auch dadurch einen engen Kontakt zur Bevölkerung.

Der Gegenbesuch in Obertshausen begann mit einem opulenten Mahl im Lehrrestaurant der GKS. Die Gastgeber kreierten mit den Lehrkräften Lars Schmalstieg und Manfred Gottwald eine Vorspeise mit gebackenen Eiern, grüner Soße und gemischtem Salat, Schweinefilet und Sauce bearnaise mit Spargel und neuen Kartoffeln im Hauptgang und zum Dessert eine bayerische Creme mit Rhabarber- und Erdbeerkompott.

Joshua steckt schon wieder im Koch-Gewand und schwärmt in höchsten Tönen von dem Austausch: „Ich bin schneller und ordentlicher geworden, und das ist in der Gastronomie wichtig!“

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