Obertshausen - Bürgermeister Bernd Roth hat bei der Verpflichtung des Gastredners für den mittlerweile traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Obertshausen wieder ein glückliches Händchen bewiesen und rekordverdächtigen etwa 650 Gästen eine überaus vergnügliche sonntägliche Dreiviertelstunde verschafft. Von Karl-Heinz Otterbein

© Otterbein
Mit Ausschnitten aus seinem Programm „Deutschland, Deine Hessen“ unterhielt Walter Renneisen die Besucher.
Der Schauspieler und Kabarettist Walter Renneisen, der bei der Veranstaltung im großen Saal des Hausener Bürgerhauses Ausschnitte aus seinem Kabarettprogramm „Deutschland, Deine Hessen“ präsentierte, trieb jedenfalls den Besuchern nicht nur mit seiner Version der hessischen Stammesgeschichte ein ums andere Mal die Lachtränen in die Augen.
„Wir Hessen sind umzingelt von lauter Deutschen“, versuchte Renneisen gewisse Eigenheiten der Einwohner des mitten in Deutschland gelegenen Bundeslandes zu erklären. „Wir haben weder Zugang zum Meer noch Sicht auf die Alpen.“
„Ich bin nicht so vermessen anzunehmen, dass sie alle wegen meiner Rede heute hier hergekommen sind“, zeigte sich Bürgermeister Roth bei seiner Ansprache humorvoll und realistisch und versprach, sich kurz zu fassen. Er wolle nicht seine Rede zur Einbringung des Haushaltsplanentwurfs 2012 vorziehen, aber die Gelegenheit nutzen, vor so vielen Zuhören etwas zu den städtischen Finanzen zu sagen.
Die Gemeinden als Bestandteil des föderalen Staatsaufbaus würden häufig zur Überflutungsfläche ausufernder Schulden des Kreises, des Landes und des Bundes, so Roth. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie die Kinderbetreuung würden fast gänzlich von den Kommunen bezahlt.
Als ein Beispiel nannte der Rathauschef die Kosten der Kinderbetreuung. „Addiert man die Zuschussbeträge für die Förderung der Kinderbetreuung freier Träger von rund 1,85 Millionen Euro und die Fehlbeträge bei den eigenen städtischen Kindertagesstätten von rund 5,35 Millionen Euro, so ergibt das einen Gesamtzuschussbedarf von rund 7,2 Millionen Euro“, rechnete Roth vor. „Dies entspricht in etwa dem gesamten Fehlbetrag im Ergebnishaushalt des Haushaltsplanentwurfs 2012. Es ist schon irgendwie schizophren, machen wir doch heute Schulden für die Kinderbetreuung der Kinder, die diese später mal bezahlen sollen.“
Dieser gesamtgesellschaftlichen Verantwortung müssten sich alle staatlichen Ebenenen stellen, aber auch jeder Bürger und jeder Nutzer müsse einen größeren Beitrag leisten, sonst sei die Abwärtsspirale nicht aufzuhalten.
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