Offenbach ‐ Alles im Plan. Bislang keine unangenehmen Überraschungen. „Wir haben auch keinen Schiedsrichter gefunden, der irgendwann mal vermisst worden war.“ Von Thomas Kirstein

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).
Der Scherz kommt von Thomas Kalt, der als Geschäftsführer der neuen Kickers-Profi-GmbH kein Vizepräsident des OFC mehr sein kann. Er, Oberbürgermeister Horst Schneider, Stadtwerke-Projektleiter Frank Jalowy und Heinz Hölscher vom ausführenden Generalübernehmer Bremer AG aus Paderborn sollen vor der schreibenden, knipsenden und filmenden Presse würdigen und erläutern, was sich aktuell auf dem Bieberer Berg tut: Das Ende der seit einigen Jahren nach unserer Zeitung benannten Haupttribüne wird eingeläutet.
Hauptdarsteller an diesem ebenso sonnigen wie kalten Fastnachtsdienstagsvormittag ist aber ein stählerner Dinosaurier, der am Beton des Haupttribünendachs knabbert. Das Ungetüm, ein riesiger Bagger mit Beißzangenkopf, hat keine Mühe mit dem Material aus den 60er Jahren. Ein, zwei Bisse, und ein beträchtliches Stück Dach kracht lärmend nach unten, die Staubwolke wird Wasser gebändigt.
Das Stadion ist in Offenbach auf kommunalpolitischer Ebene unumstritten. Alle haben dafür gestimmt, Landes- und Stadt-, also Steuerzahlergeld zu investieren, damit die Offenbacher Kickers ein Stadion bekommen, das für die zweite Liga zugelassen wird.
Umgebaut wird bei laufendem Betrieb. Die Inhaber von Dauerkarten für Sitzplätze auf der jetzt fallenden Haupt- sind auf die Orion-Tribüne umgesiedelt. Die VIPs besetzen einen abgetrennten Teil auf der Gegengerade, in unmittelbarer Wurf- und Schüttnähe zu den entschiedensten aller Kickers-Fans im Block 2; die Ecke heißt schon „der Vorstands-Käfig“.
Ende des Jahres endet das Exil, im November soll die im englischen Stil erbaute Haupttribüne mit 2500 Plätzen bezugsfertig sein - noch näher am Geschehen, sechs statt bisher vierzehn Meter vom Spielfeldrand entfernt. Termin für alle vier Tribünen ist der Sommer 2012.
Anfang März haben die Arbeiten begonnen, Gäste- und VIP-Bereich sind bereits entkernt. Die Stahlrohrtribüne ist abgebaut und zum Teil nach Erfurt verfrachtet.
„Wir können Abriss nicht so gut, wir bauen lieber neu“, kokettiert Heinz Hölscher von der Bremer AG, die bei laufendem Betrieb bereits das Kasseler Aue- und das Münsterer Preußen-Stadion umgebaut hat. Bremer verwendet immer Betonfertigteile. Damit lasse sich nicht nur flexibler umgehen, sagt Hölscher, der Beton sei auch qualitativ hochwertiger als vor Ort gegossener. Der Paderborner verspricht Einhaltung des Zeitplans: falls nicht doch noch etwas Unvorhergesehenes passiert. Und SBB-Mann Frank Jalowy verspricht Einhaltung des Kostenrahmens: Falls nicht noch Änderungswünsche kommen, gilt der vereinbarte Festpreis.
Rubriklistenbild: © Kirstein
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