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Ausschreibung für das neue Stadion frühestens im April, Abriss des alten erst zum Ende Jahres

Anpfiff in der Baustelle?

Offenbach ‐ Eine weit verbreitete Vorstellung: Übernächsten Sommer, vor der (erhofften) zweiten Zweitliga-Saison empfangen die Offenbacher Kickers den (vermuteten) Deutschen Meister Bayer Leverkusen zum Eröffnungsspiel für ihren neuen Sportplatz, der den Namen „Sparda Bank Hessen Stadion“ tragen wird. Von Thomas Kirstein

© Kirstein

Im Internet diskutieren die Fans über die Gestaltung des Stadions mit, falls machbar, sollen ihre Anregungen einfließen. Unter anderem wir die Frage debattiert, wie Lutz Kammermeyers Fan-Wandgemälde in einen Neubau integriert werden kann.

Verstärkt wird diese Meinung durch das aktuelle Angebot des OFC an betuchtere Fans, sich schon jetzt ein „Eröffnungspaket“ zu sichern. Die Kickers scheinen schon den Ball auf den Anstoßkreis gelegt zu haben, von Weltmeister und Stadion-Schirmherr Rudi Völler ist man sich fast sicher, dass er sich bereits Juli oder August ’11 für Offenbach freihält.

Dass Kickers-Vize Thomas Kalt bei der Paket-Vorstellung wohlweislich kein Datum genannt und der „Sommervorbereitung“ die „Wintervorbereitung“ zugesellt hat, ist in der allgemeinen Wahrnehmung entgangen. Das Kickers-Umfeld ist offensichtlich davon ausgegangen, dass es bald nach dem Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten gleich mit dem 25-Millionen-Projekt losgehen kann.

Start-Kick in der Baustelle

So sollen auch in der jüngsten Sitzung des Aufsichtsrats der mit der Stadion-Planung betrauten Stadtwerke-Tochter Sport- und Freizeit GmbH (SFO) etliche Mitglieder von den Ausführungen des Geschäftsführers Dieter Lindauer überrascht worden sein: Eröffnung des fertiggestellten Stadions Mitte 2011 sei eher unwahrscheinlich, die folgende Winterpause tatsächlich die realistischere Option.

Und auch dann kann vermutlich von einer kompletten Arena noch keine Rede sein. Oberbürgermeister Horst Schneider sagt es so: „2011 werden wichtige Teile des Stadions fertig sein.“ Der Start-Kick gegen Leverkusen kann also auch gut einer in der Baustelle werden. „Haupttribüne und Gegentribüne sollten bis zum Winter stehen“ schätzt SFO-Chef Lindauer. Ihm ist nicht vorzuwerfen, falsche Hoffnungen genährt zu haben. Im vergangenen Herbst hatte er gebremst: Europaweite Ausschreibung sei „für 2010“ vorgesehen, Baubeginn fürs 25-Millionen-Projekt „so früh wie möglich“.

Nun eröffnete Lindauer den Aufsichtsräten, das Verfahren könne erst im späten April eingeleitet werden und werde gut und gern ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. 30 bis 33 Wochen dürften vergehen, bis der dann auserkorene Generalunternehmer aus dem Kreis erfahrener Stadionbauer den Abrissbagger auf den Bieberer Berg schicken könne. „Das muss sauber und ohne Zeitdruck vorbereitet werden, damit es keine juristischen Klagen gibt, Sorgfalt jetzt spart später Zeit und Ärger“, sagt Lindauer.

Die Unterlagen liegen zu 70 Prozent fertig in der Stadtwerke-Schublade, dürfen allerdings erst raus, wenn die Kickers ihre Hausaufgaben erledigt haben: Politische Vorgabe für den Stadionbau ist, dass der OFC seine Profiabteilung in eine GmbH ausgliedert. Das soll im April erledigt sein - wenn das vom DFB verlangte Eigenkapital von einer Million nachgewiesen ist und die Mitglieder auf einer Versammlung zugestimmt haben. Eine Ausschreibung vorher wäre fahrlässig: Sollte beim OFC wider Erwarten etwas schief gehen und dadurch der Stadionbau platzen, hätte die Stadt mit Regressforderungen von Anbietern zu rechnen.

Kickers-Führung zeigt sich nicht überrascht

Das vom DFB verlangte Geld aufzutreiben, stelle für den Verein offensichtlich noch „eine sportliche Aufgabe“ dar, meint ein Aufsichtsrat. Bis zu 800.000 Euro soll der Verkauf der Pakete fürs Eröffnungsspiel bringen. OFC-Hoffnungen, die bestehende Rasenheizung könnte als Wert eingesetzt werden könnte, dämpft SFO-Chef Lindauer: „Wegen der späteren Gewährleistung übernimmt die kein Generalunternehmer.“

Günstiger sieht es für die Versilberung des vom OFC gebauten Umkleidetrakts aus: Die Kickers geben das Erbbaurecht für den Bieberer Berg an die Stadt zurück, damit es von den Stadtwerken gekauft werden kann; dann könnte eine „Heimfallregelung“ greifen. Das heißt, der Erbpächter hätte Anspruch auf Entschädigung für von ihm erbrachte Bauleistungen. Für Dieter Lindauer ein theoretisch machbarer Weg, um den Kickers zu helfen: „Wir zahlen und holen’s uns über die Miete wieder zurück.“

Die Kickers-Führung zeigt sich von der zeitlichen Perspektive nicht überrascht. Der kaufmännische Manager Jörg Hambückers: „Wir sind über das Thema Stadion voll informiert und in regelmäßigen Gesprächen, was den Zeitablauf anbelangt. Da gibt es auch keinerlei Probleme.“ Es sei stets geplant gewesen, dass ab Januar intensiv damit begonnen werde, die Ausschreibung für das neue Stadion vorzubereiten der Verein parallel die Ausgliederung in eine GmbH vorantreibt.

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