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Abfuhr durch das Hessische Landesamt: Kickers-Stadion ist nicht als Denkmal zu bewerten

Bauhistoriker ist enttäuscht

Offenbach ‐  Erst platzen Träume, später bröselt der Beton: Der Plan ist gescheitert, das Stadion am Bieberer Berg, oder zumindest die überdachte Stehtribüne, als Denkmal unter Schutz zu stellen und so zu bewahren.  Von Martin Kuhn

Lokale Denkmalschützer und eingefleischte Stehplatzfans jubeln da nicht: Auch die Hessische Denkmalpflege bewertet das Fußballstadion mit seinen einzelnen Komponenten nicht als Kulturdenkmal.

© Gries

Lokale Denkmalschützer und eingefleischte Stehplatzfans jubeln da nicht: Auch die Hessische Denkmalpflege bewertet das Fußballstadion mit seinen einzelnen Komponenten nicht als Kulturdenkmal.

Die Hessische Denkmalpflege übermittelte ihr „Nein“ an Bauingenieur Gerhard Plath, der einen entsprechenden Antrag für den lokalen Denkmalbeirat formuliert und ausgearbeitet hat. Der Bürgeler ist - wie Teile der Kickers-Fans - enttäuscht. Mehr noch: Für ihn hat die ganze Angelegenheit „Geschmäckle“.Es wird nicht jedem schmecken, was Plath, der sich auf historische Bauforschung versteht, im Beirat thematisieren will. Als „Geschmäckle“, also auf Hochdeutsch anrüchig, empfindet er vor allem einen Satz aus Wiesbaden. Die Ablehnung wird begründet auch „im Hinblick auf die fortgeschrittenen Neubauplanungen des Stadions“. Da fragt sich nicht allein Plath: Haben wir da etwas verpasst? Greifen da nicht Argumente, sondern gilt vielmehr eine Art Ämterpatronage? Es ist beileibe kein voreiliges Grollen. Der Bauingenieur hat sich Zeit gelassen mit seiner Bewertung: Die Antwort des Landesamtes liegt ihm seit gut einer Woche vor.

Der Historiker verhindert das Aus für den Bieberer Berg wohl nicht mehr. Vielleicht erhält er ja Unterstützung aus einer anderen Ecke. Die FDP signalisiert in einer Mitteilung, dass sie für die Stadt vor allem eins verhindern möchte: eine Netto-Neuverschuldung. Daran hält man fest. „Auch wenn Oberbürgermeister Horst Schneider stets wiederholt, dass es für den Stadionbau zu keinen Einschränkungen anderer Leistungen kommt, wird dies nicht richtiger“, so der liberale Stadtverordnete Matthias Heusel. Er sagt: „Da durch die Haushaltsgenehmigungen die Obergrenze für Investitionen ohne den Schulbau bei rund 15 Millionen Euro pro Jahr liegt, ist ganz klar, dass für die 5 Millionen Euro, die die Stadt ins neue Stadion schießt, andere Projekte in gleicher Höhe gestrichen oder verschoben werden müssen.

Ein-Rang-Stadion soll gut 18.000 Zuschauer fassen

Die Vorgehensweise für das 25-Millionen-Euro-Projekt ist unverändert: Für dieses (Früh-)Jahr bereitet eine Tochter-Gesellschaft der Stadtwerke eine europaweite Ausschreibung vor. Kern der Vorgaben: Das Rund soll als so genanntes Ein-Rang-Stadion gut 18.000 Zuschauer fassen - vollständig stützenfrei überdacht. Das war’s. Wie so etwas aussehen könnte, sollen die Bewerber vorschlagen. Schon heute fürchten Teile der Anhängerschaft eine „seelenlose Arena“, die anstelle der bewährten Kampfbahn entsteht.

Die Kickers-Fans beschwören die unvergleichbare Atmosphäre, schwören auf die tolle Akustik. Plath richtet eher den Blick eines Bauingenieurs auf diese „bemerkenswerte Konstruktion“. Nach Studium der Bauakten bezieht er das unter anderem auf die „oberseitige Rippenkonstruktion und Schlankheit der Dachkanten“. Ersonnen hat die Stehtribüne (mit dem Block 2 als Herzstück der heutigen Fankultur) Anfang der 50er-Jahre der Nürnberger Architekt Franz Ruff. Sie besteht, das hat zumindest der freie Journalist Reinhold Gries recherchiert, aus 120 Tonnen Betonstahl, 500 Tonnen Zement und 1700 Kubikmeter Kies. Für Plath steht das Stadion auch für den Widerstand gegen den aufkommenden Nationalsozialismus.  Kickers-Präsident Dr. Manfred Weinberg verhinderte 1932 eine Rede Hitlers im Fußball-Rund.

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