Offenbach - An einem sonnigen Tag wie dem gestrigen gibt es weit und breit keinen schöneren Ort als Offenbachs Wochenmarkt: Der Duft der Räucherforellen und Brathähnchen verbindet sich mit dem Gebabbel der Einkäufer und den Rufen der Waren anpreisenden Händler. Von Alexander Koffka

© Foto: alk
Ob der Markt nach einer Umgestaltung und Ordnung so charmant und liebenswert wie bislang bleibt?
Die Farbenpracht der Früchte, Blumen und Gemüse, eine chaotisch anmutende Komposition der Stände, die blühenden Kastanien, die kleine Skyline und der leuchtend blaue Himmel verbinden sich zum alle Sinne einnehmenden Gesamtkunstwerk.
Die Verantwortlichen im Rathaus haben entschieden, die bezaubernde Mischung aus Kommerz und Folklore, aus Imbiss und Gerüchteküche, aus Treffpunkt und Einkaufsgelegenheit umzugestalten. Und sie müssen aufpassen, dass sie dem sozialen Biotop dabei keinen Schaden zufügen. Vielleicht wird man eines Tages die Kabel zwischen den Ständen vermissen und den brüchigen Asphalt, der nur gelegentlich den Blick aufs Kopfsteinpflaster frei gibt? Die Unvollkommenheit trägt womöglich stärker zum südländisch anmutenden Charme des Marktes bei, als sich das so mancher Stadtplaner und Unfallverhütungsbeauftragte vorstellen kann.
In der nächsten Stadtverordnetensitzung am 7. Mai werden die ehrenamtlichen Politiker den Projektbeschluss zum Umbau wohl absegnen. Umstritten ist noch, welche Bäume am nördlichen Ende gepflanzt werden. Der Magistrat schlägt 20 Blumeneschen vor, die besonders robust seien. Sie werden etwa zehn Meter hoch und sind damit deutlich kleiner als die Kastanien an den Längsseiten.
Und weil man schon mal beim Aufräumen ist, nimmt OB Horst Schneider noch die Kommunikationsstrukturen ins Visier: In der Mitte des Platzes werde es eine „Verpflegungszone“ geben, benutzt er ein den Appetit nicht gerade anregendes Bürokratenwort. Nach seiner Vorstellung werden dort auch „Gerüchte verteilt“. Und er werde die „Gegengerüchte“ streuen.
Die Freude der Planer und Politiker am Regulieren bricht sich an vielen Stellen der Vorlage Bahn. Es ist ein Dorn in ihren Augen, dass die Marktstände bislang nicht markiert sind. Künftig werde es eine „eindeutig erkennbare Unterteilung in Marktfelder/Parkfelder sowie Gehwege/Fahrwege“ geben, heißt es im Projektbeschluss. Von „Ruhezonen“ ist die Rede, von „abgegrenzten Nutzungsbereichen“ und „Pollerreihen“. Aus solchen Begriffen spricht der gleiche Geist, der die Baumfällaktion am nördlichen Ende des Platzes möglich machte: Die sieben Bäume standen bekanntlich einer planerischen Optimierung der Parkplätze im Weg.
Warum es ein Vorteil sein soll, wenn Marktstände wie preußische Soldaten in Reih und Glied stehen, erschließt sich nicht jedem. Offenbachs Marktbeschicker und deren Kunden werden sich ein bisschen anstrengen müssen, damit der Markt alle Eingriffe schadlos übersteht. Zumindest, was den Klatsch betrifft, muss man sich keine Sorgen machen: Der wird sich kaum auf die Gerüchte-Reservate des OB beschränken lassen.
Das Scheitern der Investorensuche erspart dem Wilhelmsplatz Schranken als weiteres ordnendes Element. Ein privater Betreiber hätte den Parkplatz damit gesichert. Nun bleibt er in städtischer Regie - zu den gleichen Bedingungen wie bislang: Anwohner parken kostenlos, die anderen ziehen ein Ticket am Automaten. Im nördlichen Drittel des Platzes werden künftig stets 48 Parkplätze zur Verfügung stehen, in der Mitte können weitere 48 Autos abgestellt werden - wenn nicht gerade Markt ist.
Der Umbau des Wilhelmsplatzes soll im August beginnen und im Februar 2010 abgeschlossen sein. Solange kann dort nicht geparkt werden, der Markt wird mit Einschränkungen weiter stattfinden. Der Umbau der Längsstraßen soll im Anschluss beginnen und ebenfalls sechs Monate währen.
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