Offenbach ‐ Vorsichtig pirscht der Terrorist sich an die Hauswand heran. Er schaut kurz um die Ecke, duckt sich hinter eine Holzkiste und sprintet dann auf die markierte Fläche zu. Von Denis Düttmann

© Georg
„You don't know me“ ist für das von Offenbach aus betreute Team ein sehr logischer Name: Das „Intel Friday Night Game“ am Wochenende war für Massoud, Karl, Gerald, Nils, Oleg, Alex und Christian eine der seltenen Gelegenheiten, sich einmal außerhalb der virtuellen Welten zu sehen.
Doch er hat nicht mit dem Scharfschützen auf dem Dach gerechnet. Mit einem gezielten Schuss streckt der Polizist den Verbrecher nieder. „Schön gemacht“, lobt der Moderator das Meucheln und in der Halle brandet Applaus auf. Für die meisten Leute sind Computerspiele ein netter Zeitvertreib, sie tauchen in die virtuellen Welten ein, um abzuschalten und sich zu entspannen. Sie reizt die Vorstellung, für kurze Zeit in die Haut eines anderen zu schlüpfen und in den digitalen Sphären Abenteuer zu erleben.
Die Spieler, die am Freitagabend auf der Bühne der Offenbacher Stadthalle sitzen, nehmen ihre Sache hingegen todernst. Es sind Profis am Werk, die den simulierten Kampf als Leistungssport verstehen. Bei der „Intel Friday Night“ treten Bundesliga-Teams in den Disziplinen „Counter Strike 1.6“, „Source“ und „Fifa 09“ gegeneinander an. Beim Auftakt-Match spielen die Lokalmatadore der Mannschaft „You don't know me“ gegen das Lindener Team „Alternate“. 1200 Zuschauer haben sich in der Halle versammelt, um das Kräftemessen in der Welt von „Counter Strike Source“ mitzuverfolgen.
„Die Terroristen müssen eine Bombe legen, die Polizisten versuchen das zu verhindern“, erklärt Adrian Weiß, Sprecher des Ausrichters Turtle Entertainment. „Es ist praktisch wie Räuber und Gendarm am Computer.“ Die jeweils fünf Spieler pro Mannschaft sehen das Geschehen aus der Sicht ihrer Figur, im Mittelpunkt des Monitors ragt die Waffe - zunächst ein einfaches Messer, später ein schweres Maschinengewehr - ins Bild.
Der Manager des Clans hat selbst rund zehn Jahre professionell gespielt, dann wurde er zu langsam. „Mit dem Alter lässt die Schnelligkeit nach“, sagt der 25-Jährige. Das Live-Spiel vor Publikum ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen sich die Mitglieder seines Teams mal in der realen Welt zu Gesicht bekommen. Die Spieler der Offenbacher Mannschaft sitzen bei ihren täglichen Trainingseinheiten nämlich hunderte Kilometer voneinander entfernt an ihren Rechnern in Mönchengladbach, Hamburg und Bochum - kommuniziert und gespielt wird ausschließlich im Internet.
Derzeit sieht es für die Offenbacher nicht gut aus: Sie stehen auf dem 15. Tabellenplatz, sind vom Abstieg bedroht. „Wir haben im Sommer vier Spieler ausgetauscht - das Team muss jetzt erst einmal wieder zusammen finden“, erklärt Momshizadeh. Hoffnung auf 20 000 Euro Siegprämie für den Gewinner des Finales im Dezember in Köln dürfen sie sich nicht machen. „Uns geht es jetzt erst einmal um den Klassenerhalt“, so Momshizadeh.
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