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Kahlschlag am Wilhelmsplatz in Offenbach

Erschrocken über Kahlschlag

Offenbach - Selbst wer sich bislang intensiv mit den Planungen für die Neugestaltung des Offenbacher Wilhelmsplatz beschäftigt hatte, konnte kaum ahnen, was sich gestern dort abspielen sollte. Über das Aus für sieben stattliche Bäume auf dem Dauerparkplatz hatte die Stadt die Bürger weitgehend im Dunkeln gelassen. Die Motorsägen kreischten am Morgen also ohne Vorwarnung. Von Thomas Kirstein

© Foto: Kirstein

Da kippt der letzte Stamm: Sieben Bäume fällten ESO-Mitarbeiter gestern auf dem Wilhelmsplatz, um Platz für den Umbau zu schaffen. Das Umweltamt war von der Aktion nicht informiert.

Der Überraschung entsprach gestern das ungläubige Entsetzen am Wilhelmsplatz, als sechs gesund wirkende Kastanien sowie ein weiterer Baum auf dem Dauerparkplatz an der Bleichstraße zunächst gestutzt, dann umgelegt und schließlich zu Brennholz verarbeitet wurden. Proteste und Anrufe bei unserer Zeitung kamen zu spät. Der Fällbefehl aus dem OB-Dezernat wurde vom ESO-Trupp bis auf den letzten Stumpf exekutiert.

Zu den Geschockten gehört Werber und Wilhelmsplatz-Anwohner Peter Heßler: „Ich habe erst gedacht, das wäre ein radikaler Baumschnitt - dass die Bäume total umgehauen werden, darf doch nicht wahr sein!“Wie ihm ergeht es vielen Passanten, die kopfschüttelnd beobachten, wie die Männer in Orange ihre Pflicht erfüllen.

ANGEMERKT: Hinters Licht geführt

Da dürfen sich die Offenbacher von den Planern um Oberbürgermeister Horst Schneider schön hinters Licht geführt fühlen. Wohl wissend, welche Emotionen das angekündigte Ende von lieb gewonnenen Bäumen auslöst, hat man im Rathaus geschickt die Absicht verschleiert, um das Gesamtprojekt bloß nicht zu gefährden. Vermutlich war auch keinem Stadtverordneten wirklich bewusst, dass er mit seinem Ja zum neuen Wilhelmsplatz auch das Todesurteil für sieben Bäume unterschrieben hat.
Förmlich angelogen haben der OB und seine Baumanager das Volk natürlich nicht. Sie haben ihm nur wohlweislich verschwiegen, was sie vorhaben, und ihm in allen Veröffentlichungen vorgegaukelt, der gesamte Baumbestand des Wilhelmsplatzes sei ungefährdet. Erst wer mit dem aktuellem Kenntnisstand nachliest, was versprochen wurde, entdeckt den Pferdefuß: Eine Überlebensgarantie bekamen immer nur die Kastanien auf „seitlichen Baumstreifen“. Von den anderen war nie die Rede. 

Hintergrund der Aktion ist, wie Carlo Wölfel vom vorab nicht informierten Amt für Öffentlichkeitsarbeit die fällige Anfrage beantwortet, der für Ende Mai/Anfang Juni geplante Start der Wilhelmsplatzumgestaltung. Jetzt musste es offensichtlich Axtschlag auf Axtschlag gehen: Denn am 16. März beginnt die gesetzliche Brutzeit für Vögel, während der bis Ende August nichts mehr gefällt werden darf, was keine Gefahr darstellt. Und das war bei dem halben Dutzend Wilhelmsplatz-Kastanien der Fall. Sie standen den Bauarbeiten und einer symmetrischen Neubepflanzung mit Blumeneschen im Weg.

Das städtische Amt für Umwelt, Energie und Mobilität, das normalerweise bei solchen Maßnahmen sein Plazet geben muss, war nicht eingebunden. „Wir wussten von nichts, mit uns ist nichts abgestimmt worden“, sagte die gestern ebenfalls überraschte Amtsleiterin Heike Hollerbach. Normalerweise prüft ihr Amt, ob ein solcher radikaler Schnitt vermieden werden kann. Laut ESO-Chef Peter Walther erreichte der Fäll-Auftrag des Bauamts sein Unternehmen Ende vergangener Woche - da wurde es wegen der Brutzeit eng. Einen Anlass, das Umweltamt zu fragen, habe es für den ESO nicht gegeben: „Wir müssen doch davon ausgehen, dass alles abgesegnet ist.“

Gordon Hadler, Referent von Oberbürgermeister Horst Schneider, weist darauf hin, dass unter dem Strich durch Neupflanzungen letztlich mehr Bäume auf dem Wilhelmsplatz stehen werden als bisher. Dies sei immer offensiv kommuniziert worden.

Bilder zur Baumfällung

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