1919.03.10|Offenbach|Offenbach|3
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Offenbach ‐ Die kleine Delle im Türsturz ist ein Mangel. Die Steckdose ist, weil nicht auf Normhöhe, ein Mangel. Die Flecken an der Wand im Treppenhaus, der unsaubere Tapetenstoß, das abgeplatzte Furnier an der giftgrünen Stationstheke: Mangel, Mangel, Mangel. Von Marcus Reinsch

© Georg
In Privatzimmern sind Schreibtische möglich.
Man muss einen Moment stehen bleiben, um die Dinge, auf die Hans-Ulrich Schmidt mit dem Finger deutet, als unbedingt auszumerzende Fehler zu empfinden und nicht als zu vernachlässigende Kleinigkeiten.
Kleinigkeiten, die keine waren, haben den Geschäftsführer der städtischen Klinikum Offenbach GmbH in den vergangenen Monaten viel Schlaf und den Steuerzahler viel Geld gekostet. Millionen. Als Schmidt nach einer unbefriedigenden Sicherheitsbegehung vor gut einer Woche die erneute Verschiebung des Patienten- und Personalumzugs vom alten, chronisch maroden Zentralhochhaus in den kammförmigen Neubau hatte verkünden müssen, war das wie eine Bombe.
Hessens Gesundheitsminister Jürgen Banzer ist da, um den Landeszuschuss für das mehr als 150 Millionen Euro teure Projekt zu loben. Dazu wird Hausherr Schmidt weiteren Geladenen viele der 2 800 Türen zu den Räumen aufstoßen, in denen der Medizinbetrieb eigentlich schon seit Dezember laufen sollte. Für den Nachmittag dann haben sich 1.000 Klinik-Beschäftigte samt Anhang zum Mitarbeiterfest angekündigt.
Drinnen wird es am morgigen Samstag ab 13 Uhr eher mollig warm werden. Klinik-Chef Schmidt, der Ärztliche Direktor Professor Dr. Norbert Rilinger und die Öffentlichkeitarbeiterin Marion Band erwarten am „Gesundheitstag“ zwischen 5.000 und 10.000 Menschen, die das niegelnagelneue Krankenhaus einfach mal sehen wollen.
Und Kassenpatienten wird die Genugtuung zuteil, dass ihre Zimmer zwar etwas einfacher eingerichtet, aber genau so groß sind wie die 50 für Privatpatienten in der mit Teppich ausgelegten sechsten Etage. Der Vorteil der Privaten liegt eher im Service-Plus. „Hotel-Service“ bedeutet beispielsweise einen eigenen Schalter im Foyer, die Möglichkeit, eine Begleitperson unterzubringen, und Schreibtisch und Leseecke auf Wunsch. Fernsehen und Kabel-Internet werden an allen 724 Neubau-Betten möglich sein.
Aber auch das erst später. Bald nach dem Tag der offenen Tür werden alle Türen abgeriegelt. Dann beginnt mit der aufwändigen „Hygiene-Reinigung“ der Kampf gegen Baustellen- und sonstige Keime. Es wird der größte Frühjahrsputz Deutschlands.
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