Offenbach - Wer die Menschen waren, deren sterbliche Überreste Bauarbeiter gestern in drei nebeneinander liegenden Grüften im Erdreich des Wilhelmsplatzes fanden, ist unbekannt. Und ob es Männer oder Frauen waren, welche Namen sie zu Lebzeiten trugen, welche Berufe sie ausübten, welcher Konfession sie angehörten, wird wohl auch ein Geheimnis bleiben. Von Marcus Reinsch

© Georg
Mindestens vor 177, eher vor 200 Jahren wurden die Grüfte angelegt, die Bauarbeiter gestern entdeckten. Eine genaue Datierung der Grabstätte ist nicht möglich.
Fest steht nur eines: Ihr Begräbnis, das erste, liegt mindestens 177 Jahre zurück. Ihr zweites soll noch diese Woche mit geistlichem Beistand in einem zwangsweise anonymen Grab auf dem alten oder dem neuen Friedhof stattfinden.
In der Mittagszeit war ein Arbeiter etwa 1,20 Meter unter dem heutigen Platzniveau auf die erste Gruft mit gemauerter Gewölbedecke und Bodenplatten aus rötlichem Stein gestoßen. Die zwei anderen, nahezu identisch, kamen wenige Stunden später nach vorsichtiger Suche ohne schweres Gerät zum Vorschein. Die unmittelbare Nachbarschaft der Kammern lässt vermuten, dass es sich um ein Familiengrab handelt. Ein viertes Grab schloss sich nicht an, berichtete Stadtsprecher Matthias Müller.
Der Fund erklärt sich historisch. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war der Wilhelmsplatz noch Friedhof gewesen. Ein Mehlhändler namens Georg Gerhäuser war am 15. Dezember 1832 der letzte Bürger, der auf diesem Gottesacker zur ewigen Ruhe gebettet wurde.
Schon am Tag des offiziellen Umgestaltungs-Startschusses waren Gebeine im Erdreich gefunden worden. In so einem Fall schlägt die Baufirma Alarm und Ämter werden aktiv. Gabriele Schreiber, Leiterin der Städtischen Friedhöfe, ordnete an, die Knochen samt Stücken und Splittern des vermutlich aus Eiche gefertigten Sarges und dessen metallenen Haltegriffen aus der Gruft in eine Gebeinekiste umzulagern.
Die hölzernen Behälter werden normalerweise nur gebraucht, wenn die Angehörigen eines Toten dessen sterbliche Überreste nach Ablauf der Ruhezeit umbetten wollen und eine Exhumierung beantragen. Das ist in den vergangenen drei Jahren nur einmal passiert.
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