Offenbach - Mit dem Pinsel trägt Hannelore Frahler Klebstoff auf einen Deckel auf und befestigt so den Samt auf dem Karton. „Alles Handarbeit - von A bis Z“, sagt die Angestellte der Firma Walter Verpackungen in Bieber. Genauso sieht es ein paar Tische weiter aus. Von Marc Kuhn

© Georg
Roland Walter führt das Familienunternehmen in der vierten Generation. Er setzt auf Handarbeit.
Ihre Kolleginnen stellen Weihnachtsschachteln her. „Hier wird geschnitten, gestanzt und geklebt“, erklärt Roland Walter. Seine Firma produziert ausgefallene Verpackungen für edle Süßigkeiten - keine Massenwaren, teils werden Kleinstmengen angeboten. Der Kunde sei bereit, den höheren Preis zu zahlen, berichtet der Geschäftsführer. Wer Trüffel verkaufe, schaue nicht auf ein paar Cent, sagt er zur Begründung. Neben den handgefertigten Verpackungen werden auch klassische Faltschachteln in großen Stückzahlen hergestellt.
Das Traditionsunternehmen profitiert vom starken Wachstum in der Süßwarenindustrie. „Das ist Wahnsinn, was da läuft“, berichtet Walter. Die ganze Verpackungsbranche sei ein Wachstumsmarkt, erläutert der Diplombetriebswirt, der auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbands der Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitenden Unternehmen in Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen ist.
In der vierten Generation führt er den Betrieb mit 48 Angestellten. Zum Umsatz will sich Walter nicht äußern. Er bewege sich im einstelligen Millionenbereich, sagt der Geschäftsführer nur. Er ist stolz auf die Unabhängigkeit seiner Firma, die zu 100 Prozent aus Eigenkapital finanziert sei. „Hier ist keine Bank drin.“
Hergestellt werden Luxuskartonagen, Klarsichtverpackungen, Bonbonieren, aber auch Verpackungen für Porzellan - beispielsweise aus Höchst. Zu den Kunden in Deutschland und Österreich zählen beispielsweise Konditoreien, Confiserien, First-Class-Hotels, Süßwaren-Handelsketten und Werbeagenturen.
Neben Ostern ist Weihnachten für den Verpackungshersteller der wichtigste Termin im Kalender, wie Walter erklärt. In der Zeit von August bis zum Fest würden Weihnachtsverpackungen produziert und verkauft. Mit ihnen werde rund Zweidrittel des Umsatzes erwirtschaftet. Den Betrieb in der Grazer Straße in Bieber können auch Privatleute nach einer Terminabsprache besuchen und Verpackungen für Geschenke kaufen, wie Walter berichtet. Diese sind in einem großen Raum ausgestellt.
Zudem laufe auch der Online-Handel gut, den der Mittelständler bereits 1999 eingeführt habe, sagt Walter. „Das hilft uns sehr.“ Viele Selbstständige würden ihre Bestellungen außerhalb der Geschäftszeiten abschicken. „Dadurch erhöht sich die gefühlte Präsenz.“
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