Offenbach - Das ganze Haus ist strahlend rot. Die Wärmebildkamera hat die bittere Wahrheit entlarvt. „Da geht unendlich viel Energie durch die Hauswand verloren“, erläutert Energieberater Norman Barnickel. Wäre das Bild blau, hieße es, dass das Haus keine Wärme abgibt. Von Veronika Szeherova

© Georg
Ganz schlecht: Wenn die Fassade im Bildschirm der Wärmebildkamera rot angezeigt wird, geht Energie verloren.
Für die Hausbesitzer steht fest: „Die Fassade müssen wir auf jeden Fall neu dämmen. Für uns hat sich dieser Abend schon gelohnt.“
Ins Stadtteilbüro Lauterborn kamen etwa 30 interessierte Bürger zur Auftaktveranstaltung der Aktion „Von Haus zu Haus“, um sich über Möglichkeiten der Haussanierung in ihrem Viertel zu informieren. Die vom Amt für Umwelt, Energie und Mobilität initiierte Aktion war bereits voriges Jahr in Lauterborn erfolgreich. „Wir haben etwa 600 Hausbesitzer angeschrieben, die Hälfte von ihnen hatte Interesse an Gesprächen, acht Prozent haben dann auch wirklich ihr Haus saniert“, blickt Amtsleiterin Heike Hollerbach zurück. „Das ist mehr als eine Verdopplung der sonstigen Sanierungsrate“, sagt sie zufrieden.
Einen solchen guten Wert wünscht sie sich auch für die Fortsetzung der Aktion in Carl-Ulrich-Siedlung und Lauterborn. 370 Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern haben bereits Post von der Stadt bekommen und die Möglichkeit, kostenlos Thermografieaufnahmen von ihrem Haus machen zu lassen. Die Aufnahmen bekommen sie bis Anfang März zugeschickt. Vom 5. bis 30. März kommen ausgewiesene Energieberater der Stadt direkt zu den Eigentümern nach Hause, um individuelle Lösungen zu finden.
Bei der Beratung geht es um Heizkosten, Warmwasserbereitung, Wärmedämmung und Fenstererneuerung, aber auch um gezielte Energiesparmaßnahmen und das Thema Fördermittel. „Die Erfahrung zeigt, dass vor allem das Geld und die Altersstruktur der Bewohner ausschlaggebend sind, ob in eine Haussanierung investiert wird“, sagt Energieberaterin Christine Schneider. „Am ehesten dazu bereit sind junge Familien.“
Die Bürger haben im Stadtteilbüro und beim anschließenden Thermografiespaziergang viele Fragen. Etwa, ob die Berater Hilfe leisten bei den nicht gerade unkomplizierten Formalitäten. Ob der einzelne bei einer Sanierung nicht im Endeffekt draufzahle. Ob es Fördermittel auch für einzelne Maßnahmen, oder nur „für das volle Programm“ gebe. Bei den finanziellen Fragen verweist Schneider auf den nächsten Ortstermin: „Am 28. Februar haben wir eine Infoveranstaltung zur energetischen Gebäudesanierung, wo es vor allem um die Berechnung von Kosten und um Fördermittel geht.“
Der Bund fördert die Aktion, die ein Erfolgsmodell zu werden scheint. Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne) freut sich über die hohe Sanierungsrate im vergangenen Jahr in Tempelsee. „Die Stadt befolgt konsequent den Auftrag der EU, CO2 einzusparen. Der Trend geht wieder weg von der Massenenergie“, sagt die Umweltdezernentin. Sie verweist auf das Klimaschutzkonzept der Stadt mit 66 Maßnahmen, die Haus zu Haus-Beratung ist eine davon. Doch nicht nur für die Umwelt und die Geldbörse ist es gut, wenn Fenster und Türen dicht, die Wände gut gedämmt sind. Simon: „Sie schlagen mit der Wärmedämmung zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie hilft auch gegen Lärm.“
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