Offenbach - Keine Ruhe vor dem Sturm: Wie nah der Abend ist, an dem das Offenbacher Stadtparlament über eine Ausdehnung des Wilhelmsplatzes bis an die seitlichen Häuserfassaden entscheiden soll, ist momentan deutlich an der erhöhten Mailfrequenz aus dem Umbau-Widerstand abzulesen. Von Marcus Reinsch

© Reinsch
Der Platzumbau selbst kommt bald auf Touren. Die Hausbesitzer fürchten aber eher die Erweiterung.
Tagtäglich machen Botschaften aus den Reihen der Immobilieneigentümer die große Runde durch die Posteingänge potenzieller Sympathisanten und Zeitungsredaktionen. Und tagtäglich wäre ihre Lektüre eine Fundgrube für Soziologen auf der Suche nach Beispielen für die große Bandbreite menschlicher Reaktionen - Betroffenheit, Ironie, teils grenzwertige Spitznamen für Funktionsträger - auf ein und das selbe Thema.
Das Thema ist: Falls die Stadt den Wilhelmsplatz erweitert wie geplant, wird nach dem Abzug der Bagger jeder der drei Dutzend Eigentümer eine durch die städtische Straßenbeitragssatzung abgesicherte Rechnung bekommen. Die wollen sie nicht bezahlen, und die, das wird beklagt, könnten viele nicht bezahlen, ohne sich hoch zu verschulden.
Was die Umbaugegner von den Verbesserungsvorschlägen der Planer halten, machen sie in ihrer jüngsten Veröffentlichung - einem Schreiben an alle Stadtverordneten - schon dadurch deutlich, dass das Wort Verbesserungen nicht einmal vorkommt. Die von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) und der Ampelkoalition propagierte „Aufwertung“ erwähnen sie nur, um sie zu bestreiten.
Das Klagelied hat einige Strophen. Die Verfasser bemängeln die städtische Informationspolitik gegenüber den Betroffenen, den Verlust des natürlichen Wilhelmsplatz-Charmes, die schon gefallenen Bäume, den Verlust von Parkplätzen, das neue Pflaster, die neuen Lampen, die Einladung an Raser durch die Beseitigung der seitlichen Fahrbahnbegrenzungen, die Folgekosten, die existenzielle Bedrohung für Marktbeschicker, Gastronomen und Hausbesitzer („Die stehen teilweise vor dem Notverkauf ihrer Häuser“).
Und: Die Zeilen sind als letzter außergerichtlicher Versuch zu verstehen, das Eine-Million-Euro-Projekt zu kippen. „Die Hausbesitzer der westlichen und südlichen Straßen werden gegen die Zahlungsbescheide den Rechtsweg beschreiten“, heißt es. Die Stadtverwaltung übersehe, dass auch ein Gericht den „größten Teil“ des Umbaus als „Luxus“ werten und damit die Abwälzung vieler Kostenposten auf die Eigentümer kippen könnte. Und dass die Stadt „einen Platz mit derartiger zentraler städtischer Funktion“ quasi als überwiegend den Anwohnern dienendes und damit als überwiegend auf Eigentümerkosten umzubauendes Objekt einstufe, sei ebenfalls einer juristischen Überprüfung wert. Mindestens 350 000 Euro inklusive Baukostensteigerungen, schätzen die Umbaugegner, werde die Stadt wohl noch auf ihren bisher fast komplett aus dem Konjunkturpaket gedeckten Anteil drauflegen müssen.
Facebook 'Like' wird geladen...

Karte wird geladen...




Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.