Offenbach - Das Interesse an Fakten eint Anhänger und Journalisten: Wie sieht das neue Stadion aus? Wann ist Baubeginn? Wo stehen die Fans bei Heimspielen? Von Martin Kuhn

© imago/Alfred Harder
Die Tage der lieb gewonnenen Kampfbahn am Bieberer Berg scheinen gezählt. Für den Stadionneubau bereiten die Stadtwerke die europaweite Ausschreibung vor. Die erfolgt im kommenden Jahr.
Dieter Lindauer, Geschäftsführer der Sport und Freizeit GmbH Offenbach (SFO), bremst die Erwartungen: „Es sind noch viele Gespräche zu führen.“ Immerhin betreten Stadt und Stadtwerke-Holding, in der Konzern-Pyramide Muttergesellschaft der SFO, Neuland. Beim Bau der neuen Kickers-Spielstätte gilt es, „Fehler anderer Stadionbetreiber nicht zu wiederholen“.
Es wird wohl die erste und letzte Fußballarena sein, die unter Lindauers Regie in Offenbach gebaut wird. Verständlich, dass sich der Kaufmännische Leiter der Stadtwerke bundesweit umschaut, Gespräche führt, Ideen sammelt. „Wir können nur von anderen lernen und sollten nicht mit einer Vor-Arroganz an die Sache rangehen. Es ist für uns ein Projekt jenseits des üblichen Hochbaus.“
Als Projektleiter fungiert bei der SFO inzwischen Frank Jalowy, der Architektur und Bauwirtschaft studiert hat. Einen wichtigen Termin hat er in der nächsten Woche, ein Grundsatzgespräch mit Polizei und Feuerwehr, die ihre Anforderungen ans neue Stadion formulieren – auch mit Blick aufs Geld. Das heißt im Klartext: Allein mit baulichen Maßnahmen lässt sich die Zahl der Einsatzkräfte an Bundesliga-Spieltagen erheblich reduzieren. Da geht’s um Parkplätze, Fußwege, Überwachung, Transportwege.
Da hat die SFO mehr im Blick, auch wenn der Fokus auf den OFC mit seiner mehr als 100-jährigen Geschichte gerichtet ist: „Wir bauen kein Stadion zum Selbstzweck, sondern für die Fans. Wir wollen Atmosphäre schaffen und nicht genormte Betonteile, die nach 33 Jahren abgeschrieben sind.“ Selbstverständlich ist der Kontakt zu den Fans, etwa zur Interessengemeinschaft Stadionbau (IGS). Und natürlich zum OFC als Hauptnutzer.
Um das 25-Millionen-Projekt überhaupt auf den Weg zu bringen, sind nach Beschluss der Stadtverordneten zwei Gesellschaften zu gründen. Die neue „Stadiongesellschaft Bieberer Berg mbH Offenbach“ soll als SFO-Tochter und Stadtwerke-Enkelin die Liegenschaft am Bieberer Berg von der Stadt erwerben. Im Anschluss fungiert sie als Bauherrin und Betreiberin der Spielstätte. Die Gründung erfolgt zum 1. Januar 2010 – aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht vorher.
Parallel muss der OFC seine Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern. Laut Vizepräsident Thomas Kalt laufen die Vorbereitungen; ein Votum dazu will sich der Verein im Dezember oder Januar während einer Versammlung von seinen Mitgliedern holen.
Einen Zeitdruck verspüren die Kickers dabei übrigens nicht. Vize Kalt: „Eine solche Ausgliederung ist nicht während der Saison möglich. Also frühesten zur Spielrunde 2010/2011.“
Es ist fraglich, ob dann, wie Oberbürgermeister Horst Schneider hofft, bereits die Bagger am Bieberer Berg zum Abriss anrücken. „Es gibt viele Zwänge, aber keinen Zeitdruck.“ Für Lindauer ist klar: So früh wie möglich. Da das Stadion aber wohl nur Tribüne für Tribüne abgerissen und erneuert wird – wie etwa derzeit in Bremen und Stuttgart –, gebe es einen gewissen zeitlichen Spielraum. Dass der OFC für die Bauphase in ein benachbartes Stadion umzieht, ist wohl nach dem vorzeitigen Wechsel von Trainer Hans-Jürgen Boysen an den Bornheimer Hang endgültig vom Tisch.
Auf dem liegen noch mögliche Infrastrukturmaßnahmen, die nicht durch die 25 Millionen Euro gedeckt sind: die Verkehrsführung am Y-Knoten B 448/Bieberer Straße. Da wartet die SFO die Entwürfe der Stadionbauer ab und hofft auf deren Erfahrungen und Vorschläge. Stellt sich die Frage: Warum entsteht das Stadion nicht an anderer Stelle? „Ganz einfach. Am Bieberer Berg haben wir eine Baugenehmigung für eine Sportstätte. Woanders benötigen wir einen Bebauungsplan – und das würde Jahre dauern.“
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