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Anklage der Kickbox-Zwillinge: Urteile im Immobilien-Prozess

Es wird einsam um Arkasu

Offenbach - Im seit Juni letzten Jahres laufenden Immobilien-Betrugsprozess vor dem Darmstädter Landgericht ist es einsam geworden um den Offenbacher Deniz Arkasu. Und bald wird er ganz alleine auf der Anklagebank sitzen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

© Archiv Georg

Das ehemalige Kickbox-Studio in Offenbach.

Von den ursprünglich acht Mitbeschuldigten neben ihm bekommt einer nach dem anderen seine Strafe. Doch Mangel an Gesellschaft dürfte Arkasu nichts ausmachen. Er ist das Dasein eines Einzelkämpfers gewohnt - was nun wirklich kein Grund für Stolz ist. Der 34-Jährige gilt als Fachmann für Erpressung, Körperverletzung und andere Gemeinheiten.

Devrim soll sich immer noch auf der Flucht befinden

Und jetzt also Betrug. Am Donnerstagnachmittag sprach Richterin Barbara Bunk weitere vier Urteile in der Verhandlung. Das gegen den vorletzten Unverurteilten, Ramazan C. (34), soll nächsten Freitag folgen. Dann konzentriert sich der Prozess nur noch auf die schmutzigen Machenschaften des berüchtigten Offenbacher „Kickbox-Zwillings“. Deniz Arkasu war Mit-Betreiber des ehemaligen Fight-Clubs an der Großen Marktstraße; sein krimineller Zwillingsbruder Devrim soll sich immer noch auf der Flucht in seiner türkischen Heimat befinden.

Bei den vier aktuell Verurteilten handelt es sich um Akteure der Immobilien-Betrugsgeschichte mit der Deutschen Bank. Die Idee, mit illegalen Machenschaften an viel Geld zu kommen, soll ebenfalls von Deniz Arkasu stammen. Der Mannheimer Immobilienmakler Mustafa A. (36) muss wegen Betrugs drei Jahre lang in Gefängnis. Seine Schwägerin Diren M. (32) aus Groß-Bieberau kommt mit acht Monaten, Notar Herbert W. (58) aus Großostheim mit 15 Monaten und Bankmitarbeiter Marco L. (36) aus Mannheim mit zehn Monaten davon. Den drei Komplizen wird Beihilfe zum Betrug vorgeworfen, ihre Haftstrafen sind zur Bewährung ausgesetzt.

Fingierte Gehaltsabrechnungen und geschönte Exposés

Das Gericht sieht als erwiesen an, das Marco L. im Jahr 2009 wissentlich mit gefälschten Unterlagen eine Kreditbereitstellung für zwei Immobilien in Münster und Darmstadt erschwindelt hat. Die Darlehenshöhen betrugen 260.000 und 105.000 Euro. Fingierte Gehaltsabrechnungen und geschönte Exposés der Objekte, die noch am gleichen Tag für weit weniger Geld wieder verkauft wurden, besorgte Mustafa A. Der teilte sich anschließend mit Deniz Arkasu den Gewinn. Marco L. hatte keinen unmittelbaren Vorteil von seiner betrügerischen Darlehensgewährung - er war neu in der Bankfiliale und wollte sich mit möglichst vielen Vertragsabschlüssen als guter Verkäufer profilieren. Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg ließ in ihrem Plädoyer aber keine Zweifel an der kriminellen Energie L´s: „Er hat bewusst und gewollt die Deutsche Bank getäuscht, was den Wert der Immobilien anging!“

Schwägerin Diren M. (32) schlitterte wohl ziemlich blauäugig in die Sache hinein

Diren M. schlitterte dagegen wohl ziemlich blauäugig in die Sache hinein. Sie wollte Geld für ein neues Auto. Was ihr nicht klar war: Der auf ihren Namen laufende Kredit musste auch bedient werden. Zu allem Überfluss strich der Schwager den Gewinn aus dem Wiederverkauf der Immobilie ganz unfamiliär für sich alleine ein. Besser Bescheid über den Immobilienbetrug mit „KickBack-Modellen“ hätte es allerdings Notar Herbert W. wissen müssen. Gegen ihn lief vorher schon wegen ähnlicher Vorwürfe ein Strafverfahren in Frankfurt. „Wenn man an einem Tag zweimal die gleiche Immobilie zu vollkommen verschiedenen Preise und Vertragsbestandteilen beurkundet, sollte man eigentlich hellhörig werden“, sagte Bunk. Über W.s Motiv lässt sich nur spekulieren: Wahrscheinlich wollte er lediglich sein Geschäft ankurbeln - am Gewinn wurde er nicht beteiligt.

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