Offenbach ‐ Mühsam nähert sich Walter Kohlers Knie dem Betonboden der Haupttribüne. Mit der rechten Hand stützt er sich auf dem Gehstock ab, in der linken hält er einen Schraubenzieher. Das Knie schmerzt, das Laufen fällt dem OFC-Fan nicht mehr leicht. Von Barbara Hoven
Man ahnt bereits, wo sie sich wiedersahen: „Hier auf dem Berg, da drüben im Stehblock, sind wir uns Ende der 50er Jahre zufällig über den Weg gelaufen“, erzählen die Senioren und lachen. „Seitdem sitzen wir immer nebeneinander im Stadion und haben, wenn wir nicht gerade krank waren, kein Heimspiel verpasst.“
Trotz der Minusgrade sind das nicht wenige. Vor allem das männliche Geschlecht erfreut sich an der Gelegenheit, an diesem Sonntagnachmittag Abschied zu nehmen vom alten Stadion und nebenbei ganz greifbar zwei von des Mannes liebsten Hobbies zu vereinen: Fußball und Heimwerkern. Zumindest, was letzteres betrifft, ist das hier 1. Liga. Wer der Kickers-Homepage nicht vorab den Hinweis entnommen hat, „einen Torxaufsatz T25“ mitzubringen, hat kurzerhand den ganzen Werkzeugkasten samt Akkuschrauber mitgeschleppt.
Entladen muss sich indes nicht nur bei Fritz Illing - Block B, Reihe 16, Platz 3 - noch Fußballfrust vom Samstagabend. „Nach der Niederlage in der letzten Minute gegen Ahlen sind mir die Tränen gekommen“, sagt der 77-Jährige, der sich als „Ur-Fan“ bezeichnet. „Das war das Schlimmste, was passieren konnte.“ Seinen Anteil am alten Bieberer Berg demontiert er gestern natürlich trotzdem. Ist Ehrensache.
Doch was fängt man eigentlich an mit so einem Plastiksitz? Für die zwei Walters ist die Antwort klar: Die werden im Garten montiert, um immer drauf sitzen und an die schönen Zeiten auf dem Berg denken zu können, sagt Kohler. Hofferbert nickt: „Jetzt hoffen wir nur, dass wir lang genug leben, um auch im neuen Stadion noch nebeneinander zu sitzen.“
Rubriklistenbild: © Georg
Facebook 'Like' wird geladen...

Karte wird geladen...




Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.