Offenbach (ad. /ku) - Der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Dr. Stefan Schulte, hat sich kürzlich mit einer groß angelegten Postwurfsendung an die Region gewandt.
Darin hatte er u. a. bekräftigt, dass er die Sorgen und Klagen der Menschen ernst nehme und dass an Lösungsmöglichkeiten zur Entlastung der Region gearbeitet werde. Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider hat dazu in einem offenen Brief an Dr. Schulte Stellung genommen.
„Ich möchte Ihnen von Amts wegen im Namen der Offenbacherinnen und Offenbacher auf Ihre Wurfsendung antworten: In Offenbach ist Ihr Schreiben mit großer Skepsis aufgenommen worden; die Menschen können Ihren Worten nicht folgen.
Im Vorfeld aller Planungen haben wir in allen Verfahrensschritten und auch andernorts unüberhörbar immer wieder laut und deutlich gesagt, dass es nicht hinnehmbar ist, das Stadtgebiet von Offenbach mit einer dritten Anflugschneise zu belasten. Wir haben Ihnen vorgerechnet, welche Lärmkonturen das nach sich ziehen wird und wir haben Ihnen vorgetragen, welche Auswirkungen dies hinsichtlich der Planungshoheit unserer Kommune bedeutet.
Es hilft auch nicht, wenn Sie stets auf den „Jobmotor Frankfurter Flughafen“ verweisen. Denn dass der Flughafen viele Jobs anbietet, ist unstrittig. Der Flughafen ist wichtig für die Region, doch das gilt unzweifelhaft auch umgekehrt - die Region ist wichtig für den Flughafen. Wir müssen uns darum bemühen, die Grundlage für eine Koexistenz zu finden, statt an den Bedürfnissen der Menschen vorbei zu reden.
Falls Sie sich erneut an die Menschen in der Region wenden, dann beantworten Sie bitte die folgenden Fragen:
-Von der DFS wird eingestanden, dass aktive Lärmschutzmaßnahmen für den flughafennahen Bereich keine Entlastung bringen. Kommen dann über das Nachtflugverbot hinausgehende Betriebsbeschränkungen für die Nordwestlandebahn in Betracht, um zumindest die Tagesrandstunden verträglicher zu gestalten? Können Sie für Offenbach wirksame Entlastungen anbieten?- Sie prognostizieren für 2020 - das ist in acht Jahren! - eine Flugbewegungszahl von 700 000 pro Jahr. Wie wird diesem Verkehrsanstieg um 40 Prozent mit Blick auf den Lärmschutz Rechnung getragen?
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- Gutachter bescheinigen Ihrem bestehenden Start- und Landebahn-System eine Gesamtkapazität von mehr als 900.000 jährlichen Flugbewegungen. Können Sie den Menschen versichern, nicht über die prognostizierten 700.000 Flugbewegungen hinaus zu gehen?
Natürlich ist es verständlich, dass Sie sich in der derzeitigen Situation an die Bürgerinnen und Bürger mit Ihrer Sicht der Dinge wenden. Wäre es aber nicht sinnvoller, alle verfügbaren Mittel in zusätzliche Schallschutzmaßnahmen zu investieren, damit all jene, die sich dem Fluglärm nicht entziehen können, sich wenigstens in ihren eigenen vier Wänden vor ihm schützen können?
Rubriklistenbild: © p
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