Offenbach ‐ Winterpause in der dritten Liga. Die Zeit zwischen den Jahren nutzt Gerhard Plath zur Recherche im Bauarchiv. Sein Ziel, zur Freude vieler Fans: Erhaltung der Stehtribüne am Berg. Von Martin Kuhn

© op-online.de
Gerhard Plath will die Stehtribüne im Stadion Bieberer Berg retten
Gerhard Plath hat ein Faible für historische Bauforschung. Kein Wunder, dass der Denkmalbeirat den Bauingenieur auserkoren hat, um wieder einmal in alten Akten zu stöbern. Der Impuls kam von eingefleischten Kickers- und Bergfans: Sie würden Teile des als kultig geltenden Fußballstadions gern erhalten. Andere Pläne verfolgen OFC und Stadtwerke Holding (SOH). Sie ziehen an gleicher Stelle einen Neubau vor. Da scheint wenig Raum für Kompromisse.
Die Zeit drängt also. Das weiß Plath, der sich in Offenbach verdient gemacht hat um die Rettung des Rumpenheimer Schlosses. Er versucht seit sechs Wochen, (kostenpflichtigen) Zugang zu den Akten des Bauarchivs zu erhalten. Das ist inzwischen geregelt. Findet Plath Aufzeichnungen zum Tribünenbau, ist wohl noch ein Statiker hinzu zu ziehen, der die Einmaligkeit dieser Konstruktion belegt. Letztlich befindet der Beirat, ob ein entsprechender Antrag an das Landesamt für Denkmalschutz gestellt wird. Die Entscheidung aus Wiesbaden wäre bindend – auch für die SOH. Dort geht man jedoch davon aus, dass der Zeitplan steht: Die funktionale Ausschreibung für die neue Arena ist fürs kommende Frühjahr geplant.
Unstrittiger ist, dass es weitere Bauten gibt, die zu erhalten sind: das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Vereinsmitglieder, die Reste der ehemaligen Schießhausanlage als Teil des Exerzierplatzes des Großherzoglich-Hessischen Infanterieregiments Nr. 168, der Stolperstein zur Erinnerung an Dr. Manfred Weinberg, der 1932 eine Hitlerrede im Kickersstadion verhinderte. In diesem Zusammenhang hebt Plath die ursprüngliche terrassierte Erdwallanlage hervor, die das Spielfeld umgab.
Aber noch etwas anderes treibt den Offenbacher um. Er sorgt sich um den künftigen Solitär an der Bieberer Straße. Die (heute recht unansehnliche) Front präge dereinst dieses „Stadttor“. Über dessen Gestaltung lasse sich zwar trefflich streiten – die Stadtplanung sollte sie aber nicht aus der Hand geben. „Das darf nicht allein in privat-wirtschaftlicher Hand liegen.“
Plath macht das fest an zwei Beispielen vergleichbarer Stadion-Neu- oder Umbauten. Als gelungen erachtet er etwa das Stadion am Millerntor (FC St. Pauli), als nahezu unerträglich die Energieteam-Arena (SC Paderborn): „Sie gleicht einer Industriehalle und ist wenig positiv fürs Stadtbild.“
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