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Bei Gerichtsverhandlung gegen als schießwütig geltenden Offenbacher Unternehmer sagen die Polizisten aus

Es war das SEK, nicht der Russe

Offenbach - Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos kommen bei Geiselnahmen, Entführungen und gewalttätigen Demonstrationen zum Zuge. Trotzdem ist eine wilde Schießerei, wie sie sich am 15. März 2011 auf einem Büroflur in der Rowentastraße abspielte, für die Beamten alles andere als „Tagesgeschäft“. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Seit drei Wochen muss sich infolgedessen der 54-jährige Geschäftsführer Oliver N. vor dem Landgericht Darmstadt wegen versuchtem Totschlag im Zustand der Schuldunfähigkeit verantworten. Nun wurden erstmals beteiligte SEK-Beamte vor der Schwurgerichtskammer verhört. „Das ist schon etwas besonderes, wenn geschossen wird“, sagt Kriminaloberkommissar H. B. , der als Zugriffsleiter das Vorgehen im Gebäude koordinierte.

N. soll im vergangenen März festgenommen werden, weil er sich angeblich weigert, zu einer psychiatrischen Untersuchung gebracht zu werden. Da bei dem passionierten Jäger Waffen und zwei gefährliche Hunde vermutet werden, kommt das SEK zum Einsatz. Nach mehreren Stunden Wartens vor dem Gebäude verschaffen sich sechs bis acht Beamte Zutritt. Was nun passiert, kann auch durch die aktuellen Vernehmungen nicht vollständig geklärt werden, da die Zeugen teils widersprüchliche Angaben machen und so manches wichtige Detail vergessen oder im Stress nicht registriert haben. In einem sind sich aber alle einig: Dass sie sich laut, klar und mehrfach als Polizei zu erkennen gegeben haben. Ganz entgegen der Aussage des unter Phobien leidenden N., der befürchtete, „die Russen kämen“. Er will im Dunkel des Flurs niemanden als Staatsdiener identifiziert haben. Zu den Lichtverhältnissen äußern sich die Beamten dagegen von „Deckenbeleuchtung war an“ bis „könnte auch dunkel gewesen sein“.

Frage nach der Eröffnung des Schusswechsels

Als besonders schwierig gestaltet sich die Frage nach der Eröffnung des Schusswechsels. Gesichert gilt, dass als erstes N.s großer Vierbeiner, ein teurer Jagdhund der Rasse Weimaraner, mit der großkalibrigen Repetier-Flinte des SEK erlegt wurde. Unmittelbar darauf fallen weitere Schüsse. Auch hier widersprechen sich die Aussagen zu Beginn und Reihenfolge. Oberkommissar M. L. will nach den Flintenschüssen auf den Hund zuerst Knalls von weiter hinten und danach wieder von seinen Kollegen vorne gehört haben. Kollege S. N. dagegen will sich nicht genau festlegen, vernahm „mehrere Schüsse aus verschiedenen Waffen“.

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Auf SEK-Beamte geschossen

Zur Festnahme selbst äußern sich die Zeugen nur sehr sparsam. Sie ist ohnehin Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens wegen angeblich brutalen Vorgehens. N. wurde mit einem Elektroschocker traktiert, erlitt ein zerschmettertes Jochbein, zwei gebrochene Rippen und eine zerrissene Milz, die operativ entfernt werden musste.

Rubriklistenbild: © dpa

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