Offenbach ‐ Mit Worten und Plänen allein ist es im Vortragsraum der Sparda-Bank Hessen nicht getan. Medienvertreter und Geschäftspartner erhalten per computer-generiertem Video erste Einblicke vom neuen Stadion. Von Martin Kuhn

© OFC
So könnte es einmal aussehen, das neue Stadion der Offenbacher Kickers.
Peter Walther, Chef der Stadtwerke Holding und deren 100-prozentigen Tochter Stadiongesellschaft Bieberer Berg mbH Offenbach, drückt aufs Gas. Sein noch nicht abgesegneter Zeitplan: Noch in diesem Februar beginnt der Abriss von Haupt- und Stahlrohrtribüne. Bis Ende des Jahres könnte zumindest die neue Haupttribüne stehen – dank der Sitzplätze eine wichtige Einnahmequelle für die Kickers. Der Ausbau könnte bis zur geplanten Fertigstellung des kompletten Vier-Tribünen-Stadions folgen, im Sommer 2012. Peter Walther: „Die Abrissgenehmigung ist gestellt, der Bauantrag folgt bis Ende Januar.“
Aber wie sieht’s nun aus, das neue Stadion? Es ist ein klassischer Vier-Tribünen-Bau, komplett überdacht. Die Ränge rücken näher an die Spielfläche, die bestehen bleibt. Momentan misst der Abstand zwischen Haupttribüne und Spiel 14 Meter, künftig sind es nur noch sechs Meter. Zudem wird alles steiler. Das Dach der alten Haupttribüne ist 16 Meter hoch, bald sind es 21. Integriert zur Bieberer Straße sind eine Filiale der Sparda-Bank Hessen, eine Bäckerei, der OFC-Fanshop und ein Raum zur Kinderbetreuung. Verteilt auf den Ebenen: Umkleiden, Geschäftsstelle, Presseräume, Clubräume, Küche, Polizei. Der dritte Stock wird zunächst als Rohbau erstellt . Gut 1000 m², für sämtliche Nutzungen denkbar – etwa weitere Logen.
Einschränkungen gibt es während der Bauzeit für Fans, Anlieger und Pendler. Die Fahrspur von der B 448 in Richtung Offenbach wird gesperrt zur Baustellenrichtung, der Verkehr von und zur Bundesstraße allein über den östlichen Teil der Y-Tangente abgewickelt. „Das heißt aber nicht, dass wir die Tangente zwingend umbauen müssen“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider wohl auch mit Blick auf den Stadtsäckel.
Dieser Umbau wäre nicht im 25-Millionen-Budget enthalten. Ist das Stadion fertig, bleiben an der heutigen Henninger-Tribüne 7 Meter Platz zum Fahrbahnrand – heute sind es nur 2. Damit wird die gesamte, teils chaotische, mitunter gefährliche Situation an der Ecke B 448/Bieberer Straße deutlich entschärft; eine der Forderungen der Ordnungshüter.
Jürgen Weber, Vorstand der Sparda-Bank Hessen, begründet das finanzielle Engagement seines Instituts: „Wir haben großes Vertrauen zu den Kickers und zum Standort.“ Die Sparda-Bank ist inzwischen nicht allein Namensgeber, sondern auch Top-Partner der Kickers: „Ohne dieses Engagement wäre das Bauprojekt und einiges mehr nicht möglich gewesen“, rückt das Kalt in den Zusammenhang.
Es wird wohl ein Novum in deutschen Landen sein: Im Stadion eröffnet die Sparda-Bank eine Filiale und sich neue Perspektiven. Weber, mit seiner Gattin öfters begeisterter Fan am Bieberer Berg, verspricht sogar noch ein Schmankerl. Er möchte zumindest einen (funktionslosen) Flutlichtmast erhalten. „Wir wissen noch nicht wie, aber da gibt es sicher eine technische Lösung.“
Im Wandel hält man also an Traditionen fest, auch wenn der Wandel an der Bieberer Straße Tradition hat. Als der Fußballplatz am 21. Mai 1921 eröffnet wurde, verdiente er aus heutiger Sicht kaum die Bezeichnung Stadion: eine Holztribüne für 1200 Besucher, eine Art Zuschauerrasen, eine Aschenbahn. In den 50er Jahren wurde die überdachte Stehtribüne fertiggestellt, die heutige Haupttribüne entstand 1960 neu, acht Jahre später folgte die Stahlrohrtribüne, 1973 die heutige Henninger-Tribüne.
Seit dieser ruhmreichen Bundesligazeit, verbunden mit Namen wie Erwin Kostedde und Siggi Held, blieb vieles am Bieberer Berg Stückwerk. 40 Jahre später folgt ein kompletter Neuanfang – auch wenn Nostalgiker das eine oder andere bengalische Feuer zum Abschied vom liebgewonnenen Stadion abbrennen.
Wer diesen rot-weißen Traum nicht mehr miterleben darf, ist der verstorbene Ehrenpräsident Waldemar Klein, der auf vielen Ebenen für seinen OFC und letztlich auch das neue Stadion geworben und gebohrt. Und Thomas Kalt ist sich sicher: „Der Tag hätte Waldemar große Freude bereitet.“ So war es an Kleins Gattin Barbara, diesen Dank mit nach Hause zu nehmen.
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