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Copy-Happening: Im Klingspormuseum in Offenbach erheben zwei HfG-Studenten das Kopieren zur Kunst.

Vervielfältigen der Vielfalt

Offenbach ‐ „Wir sind anständige Dienstleister“, sagen Nicolas Kremershof und Lorenz Klingebiel und ziehen die Schleifen ihrer Schürzen zurecht. Während die Studierenden der Hochschule für Gestaltung (HfG) das klarstellen, stehen sie neben ihrem 15 Jahre alten Minolta-Kopierer. Von Katharina Skalli

© Skalli

„Ein Kopierer und wir“, nennen es Lorenz Klingebiel (links) und Nicolas Kremershof. Die Studenten der Hochschule für Gestaltung bitten heute zu ihrer Veranstaltung „Raus kopieren“ ins Klingspormuseum.

Weitere Informationen finden sich auch auf der Internetseite der beiden Gestalter.

„Copy Shop“ heißt das kreative Projekt der jungen Gestalter, die heute ins Klingspormuseum an der Herrnstraße 80 bitten. Ein Seminar gab Nicolas Kremershof und Lorenz Klingebiel den Anstoß für ihre ungewöhnliche Idee. Im 50. Jubiläumsjahr des Kopierens wollen sie alle Aspekte dieser Technik unter die Lupe nehmen und daran erinnern, was ein handelsübliches Gerät so kann. „Es geht um Kopieren als Kunst und Kopieren von Kunst“, sagt Lorenz Klingebiel. In ihrem Seminar bei Professor Sascha Lobe ging es unter anderem um die kunsthistorische, um die philosophische und um die medientheoretische Betrachtung des Vervielfältigens. Die beiden Studenten gehen einen Schritt weiter: Sie wollen wissen, was denn so alles reproduziert wird und untersuchen die „moderne Institution des Kopierens“ - den Copy Shop. In Städten mit einer Universität oder Fachhochschule gibt es sie an jeder Ecke. Auch in Offenbach ist die Nachfrage an Kopiermöglichkeiten groß. Die Diplomarbeit, die Bewerbung, das Geburtstagsgeschenk, die Vorbereitung auf ein Seminar – kopiert wird viel und fast immer ist es ein wenig auch ein kreativer Akt, der mit einer eigenen Geschichte verbunden ist. Und genau diesen Geschichten wollen Kremershof und Klingebiel auf die Spur kommen. „Ein interessanter Querschnitt“, erhoffen sich die Ideengeber.

Eine Kartoffel wurde zur  „goldenen Kopie“

Ihre erste Aktion namens „Copy Shop“ veranstalteten sie in der Cafeteria der HfG. Jeder durfte reproduzieren, was er wollte und ohne zu bezahlen. Eine Kopie ging an die Kopierer vom Dienst Kremershof und Klingebiel. „Eine Studentin hat Dinge aus ihrer Handtasche kopiert“, erzählt Nicolas Kremershof. Ein anderer Teilnehmer kopierte seinen Schlüsselbund. Wieder andere wichtige Unterlagen oder Fotos. Die vergrößerte Kopie einer herzförmigen Kartoffel gewann den Titel „goldene Kopie“.

Das Duo findet es nicht nur spannend, was so vervielfältigt wird, sondern macht aus der Tätigkeit selbst eine besondere Veranstaltung. „Wir wissen nie, was rauskommt“, sagt Lorenz. Es komme darauf an, was die Teilnehmer mitbrächten. Die 24-Jährigen benutzen ausschließlich Recyclingpapier. Das gehört für sie einfach dazu. „Das Material hat irgendwie etwas Dokumentarisches“.

Am heutigen Dienstag bei „Raus kopieren!“ haben sich besondere Gäste angekündigt: Gestalter aus Frankfurt, Luzern und London sind zu Gast im Klingspormuseum und werden das Museums-Archiv durchsuchen. Ihre Funde kopieren sie dann auf dem Gerät der beiden Initiatoren. Los geht es um 16 Uhr mit der Präsentation der Ergebnisse. Ab 18 Uhr halten die Gestalter aus Luzern und London Vorträge und ab etwa 20 Uhr wird in der Cafeteria der HfG, Schlossstraße 31, unter dem Motto „Raus feiern!“ gefeiert.

Nur wenige Studenten kennen das Museumsarchiv

Die beiden Studenten der „Visuellen Kommunikation“ freuen sich über die enge Zusammenarbeit mit dem Museum. „Es ist ein Missstand, dass so wenige Studenten von dem Museum und seinem tollen Archiv wissen“, sagt Lorenz Kliengebiel. „Für Gestalter ist es faszinierend, was es dort alles gibt“, ergänzt Nicolas Kremershof.

Für Mitte April ist eine weitere „Copy Shop“-Veranstaltung geplant. Am Ende wollen sie ein Buch aus allen gesammelten Seiten machen. Wer eins möchte, bekommt es von den beiden kreativen Dienstleistern persönlich kopiert.

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