Offenbach - (mcr) Einen Graben zugeschüttet, den nächsten freigeschaufelt: Die seltene politische Friedfertigkeit, die man am Donnerstagabend in den fast einstimmigen Beschluss des Stadtparlaments für den Umbau des Wilhelmsplatzes in städtischer Regie interpretieren konnte, wird wohl eine kurze Halbwertszeit haben.
Zwar haben sich die Fraktionen in Sachen Gestaltung zu einem 1,8 Millionen Euro teuren Kompromiss durchgerungen. Doch spätestens, wenn demnächst die Diskussion um einen möglichen zweiten Bauabschnitt fällig ist, wird es wieder kräftig knallen. Denn dann soll der Wilhelmsplatz über die beiden Längsstraßen des Platzes hinaus von Fassadenzeile zu Fassadenzeile ausgedehnt werden, wobei an den Rändern weiterhin Autos fahren dürften. Und das würde sehr teuer für die Eigentümer der umliegenden Häuser, weil die per Straßenbeitragssatzung zur Übernahme eines Kostenanteils verpflichtet wären. Politisch ist das hochexplosiver Zündstoff - und eine Top-Gelegenheit, sich bei Wählern unbeliebt zu machen.
Und selbst FDP-Fraktionschef Oliver Stirböck - als Koalitionspartner sonst immer noch meist auf Linie von Oberbürgermeister Horst Schneider („…die Menschen angemessen beteiligen, die auch davon profitieren…“) - mutmaßte, „dass eine substanzielle Verbesserung und Belebung des Platzes gerade in den Sommermonaten schon mit dem ersten Bauabschnitt gelingen wird“.
Bis die FDP Farbe bekennen muss, bleibt nicht mehr viel Zeit. Der OB forderte, „möglichst bald über die Längsachsen zu reden“. Verkehrsführung und Gestaltung beträfen ja auch das Ziel, Wilhelmsplatz und Innenstadt per Neuordnung des Marktplatzes zu einer Achse zu verkuppeln. Und da werde beispielsweise für Ende Mai der Umbauantrag für das Kleiderhaus Frei erwartet.
Auf dem Wilhelmsplatz selbst geht es jetzt ins Detail. Grundsätzlich beschlossen ist die Drittelung in Park-, Aufenthalts- und temporäres Wochenmarktareal, die Markierung der Zonen mit farblich abgesetzten Pflastersteinen, die künftige Stromversorgung - und dass das Anwohnerparken und das abendliche Gratisparken unberührt bleiben. Nachbessern müssen die Planer bei Bäumen und Beleuchtung. Das Umweltamt hat zum Stichwort Neupflanzungen empfohlen, statt der favorisierten Blumeneschen dem robusteren Spitzahorn den Vorzug zu geben und auch gleich dafür zu sorgen, dass die neuen energiesparenden Leuchten die Bäume nachts nicht anstrahlen, um deren „physiologischen Stoffwechsel“ nicht durcheinander zu bringen.
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