Offenbach - Der Notruf geht fast pünktlich in der Feuerwehrleitstelle ein: „Personenschaden mit Pkw an der Stadthalle. “ Der Feuerwehrmann am Telefon schickt den Gong durchs Gebäude - Einsatz. Ein paar Wimpernschläge, dann sind die Lösch- und Kranwagen unterwegs. Von Katharina Hempel

© Georg
Katastrophenschutzübung in Offenbach zeigt die Macht der „parallelen Kommunikation“.
Und die Medien sind auch schon vor Ort - in der Feuerwache und vor der Stadthalle. Im Ernstfall ginge das nicht ganz so flott, aber bei der Katastrophenschutzübung am Samstag ist Tricksen erlaubt. Stadtsprecher Matthias Müller nutzt die Gelegenheit für einen zusätzlichen Test: Wie gehen sein Presseamt und die Journalisten mit nicht-offiziellen Informationen um, die bei einer echten Katastrophe binnen weniger Minuten auf Internet-Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube erscheinen würden? „Die klassischen Wege der Kommunikation gelten nicht mehr“, stellt Müller fest. „Mit diesem Versuch betreten wir ziemliches Neuland.“
Schon trifft in der Feuerwehrzentrale die erste, eigens für die Übung fingierte „Nachricht“ einer Internet-Plattform auf dem Computer von Müllers Online-Redakteurin Katharina Skalli ein. Es ist gerade einmal 9.46 Uhr. „Hilfe! Vor der Stadthalle überall Verletzte. Fässer vom Lkw gefallen“, hat ein Opfer gesendet. Kurz darauf verändert auch der Internetauftritt der Stadt sein Aussehen, wird zur „Darksite“. Das ist eine Seite ohne Fotos oder Animationen, die viel schneller laden und aktualisiert werden kann. Beispielsweise Verwandte von Betroffenen können sich hier informieren, die Zahl der Verletzten und die Telefonnummern der Krankenhäuser erfahren.
Was also weiß der OP-Kollege vor Ort? Alexander Kroh gibt durch, dass er 48 Verletzte gezählt hat. Die Fässer sieht er auch, aber ob was gefährliches drin ist, will ihm keiner sagen. Eiblmaier: „Klar, die müssen erstmal messen. Aber interessant, wie meine Männer mit Journalisten umgehen.“
Noch mehr Bilder und Videos häufen sich im Posteingang. Wären sie tatsächlich auf Twitter oder Facebook geschickt worden, hätte Eiblmaier sie gar nicht sehen können. Auf seinem Bildschirm liest er: „Seite gesperrt für die Stadtverwaltung Offenbach“. Aber immerhin: Er hätte noch sein Handy mit freiem www-Zugang.
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