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Wirtschaftsförderung bat ins Capitol

Wahrheiten und Wachtelbrüste

Offenbach- Seit zwölf Jahren ist es eine besondere Streicheleinheit der Offenbacher Wirtschaftsförderung: Wer zum lockeren Unternehmerforum „Top 100“ geladen wird, darf sich zu den Wichtigen der Stadt zählen. Die „100“ ist jedoch zu tief gegriffen, die Einladungsliste umfasst längst 180 Namen. Von Thomas Kirstein

Für das jüngste Kontakt- und Bestandspflege-Treffen am Montag im Capitol haben mit 150 Teilnehmern so viele zugesagt wie nie zuvor.
Vielleicht liegt das nicht nur an Bedeutung und Beliebtheit der Veranstaltungsreihe selbst, sondern auch am Programm, das auf Anregung und dank Unterstützung des diesjährigen Partners zustande kam. Die Societät Bader Förster Schubert (BFS) - bundesweit tätige Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, die mit rund hundert Mitarbeitern im Kubus gegenüber dem Citytower residieren - hat sich von Jürgen Amberger, dem Leiter der Wirtschaftsförderung, als Sponsor anwerben und jetzt nicht lumpen lassen.

Vor den Kalbsroulädchen gibt es geistige Apertifs im Doppelpack

So gibt es vor den Kalbsroulädchen und Wachtelbrüstchen des Offenbacher Top-Caterers „Die Zwei“ geistige Aperitifs im Doppelpack. Der bekannte Ökonomieprofessor Max Otte zeigt den örtlichen Unternehmern weniger „Zukunftstrends der Wirtschaft“ auf, sondern verdeutlicht sehr verständlich, welche Denkweisen in Wirtschaft und Finanzwelt in die weltweite Krise führten.

„Denken lohnt sich.“

Princeton-Absolvent Otte ist keiner, der im Nachhinein klüger wäre: Schon 2006 hat er in seinem Buch „Der Crash kommt“ beschrieben, was für ihn angesichts verantwortungsloser Anlagestrategien unausweichlich war. Schuld seien die Anbieter wie die Nachfrager gewesen. Denn der Mensch, lässt der Professor für Internationale Betriebswirtschaft und Außenwirtschaft an der Fachhochschule Worms sein Offenbacher Auditorium wissen, treffe seine Investitionsentscheidungen mit dem aus Reptilienzeiten übrig gebliebenen Kleinhirn, das besonders Gier und Furcht steuere.
Da ist der Ökonom nicht weit entfernt von dem ihm auf der Capitol-Bühne folgenden Kabarettisten Vince Ebert, der „Denken lohnt sich“ empfiehlt.

Vince Ebert Capitol© GeorgRichtungsweisend? Kabarettist Vince Ebert  im Capitol.

Für den zum „Hofnarren“ (Selbsteinschätzung) avancierten Physiker ist der Auftritt vor so vielen Wirtschaftsköpfen kein Neuland: „Ich war mal Unternehmensberater und brachte die selben Sprüche wie heute - nur fand’s damals keiner lustig.“ Nicht so Offenbachs Geschäftsführer und Selbstständigen - die amüsieren sich köstlich auch über unbequeme Wahrheiten. Sie hören ja auch viel Lobendes über die Stadt, in der sie ihr Geld verdienen. Vince Ebert verrät, dass er seine ersten Auftritte im Wiener Hof hatte, Max Otte hat die Stadt wegen eines Gary-Moore-Konzerts im Capitol in guter Erinnerung.

© GeorgRichtungsweisend? Ökonomieprofessor Max Otte im Capitol.

Oberbürgermeister Horst Schneider beschwört den mit der Eröffnung des Einkaufszentrums KOMM beginnenden Innenstadt-Aufschwung und entdeckt „wachsenden Grundoptimismus“. Der mit der Moderation des Abends betraute HR-Fernsehmann Holger Weinert stellt sich als bekennender Offenbacher vor - seit zehn Jahren lebt er hier und kann nach diesem Abend sogar den Markt- vom Wilhelmsplatz unterscheiden. 1999 haben sich auch Bader-Förster-Schubert für die Stadt entschieden, und Thomas Förster ist „froh, in Offenbach gelandet zu sein“. Hier gebe es gute Möglichkeiten des Wachstums - dank einer hilfsbereiten Wirtschaftsförderung. Die Haupt-Einladenden des Abends hören das sicher gern: Auch Wirtschaftsförderer können Streicheleinheiten vertragen.

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