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Kommentar zum Klimagipfel

Vor dem Klimagipfel

Kommentar: Das große Pokern

002.11.09|Politik|Politik|
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Artikel: Kommentar: Das große Pokern

Man kann nur hoffen, dass UN-Chef Ban Ki Moon, wenn er Erwartungen an den Kopenhagener Klimagipfel niedriger hängen lässt, das macht, was sie jetzt alle tun. Pokern - nach dem Motto: Wer Karten zu früh aufdeckt, wird über den Verhandlungstisch gezogen. Von Wolfgang Riek

Wolfgang Riek

© op-online

Wolfgang Riek

China belauert den anderen Groß-Klimasünder, die USA. Entwicklungsländer, die viel mehr unter dem Klimawandel leiden, als dass sie ihn mitverschulden, wollen Verpflichtungen zur CO2-Minderung nur eingehen, wenn ihnen die Industrieländer als Hauptverursacher Geld und Technologie zur Verfügung stellen. Und mancher, den die Welt draußen als Klima-Hoffnungsträger verehrt wie etwa Barack Obama, hat zuhause größte Mühe, Vorschusslorbeeren in innenpolitische Fortschritte gegen den Klimawandel umzumünzen. Schlimmer noch: Millionenschwere Lobbykampagnen haben es in den USA offenbar geschafft, die Zahl derer wieder wachsen zu lassen, die die menschengemachte Erderwärmung und daraus erwachsende globale Gefahren für Hokuspokus halten.

Ernst zu nehmende Wissenschaftler lassen sich unter diesen Skeptikern nicht mehr finden. Das Problem: Bevor die allerletzten Zweifler durch Tatsachen überzeugt werden können, sind die ersten Inselstaaten längst untergegangen. Dass vor 50 Millionen Jahren in der Arktis Palmen wuchsen, taugt jedenfalls nicht dafür, den Klimawandel in die War-doch-schon immer-so-Richtung zu verharmlosen.

Richtig ist: Klimawandel hat es über die Millionen Jahre der Erdgeschichte immer gegeben. Richtig - und brandgefährlich - ist aber auch: So rasant und sprunghaft wie die derzeitige Erderwärmung sind die Veränderungen noch nie über Meere und Kontinente hereingebrochen. 100 Jahre, in denen die Erdatmosphäre um fast ein Grad wärmer geworden ist, sind in der Erdgeschichte ein Wimpernschlag. Und für viele Lebensformen zu kurz, um sich anzupassen. Nicht nur Eisbären trifft das, sondern - anders als zu Zeiten der Palmen-Arktis - auch hunderte von Millionen Menschen, die von Flutkatastrophen, Stürme, Dürren oder Trinkwassernot existenziell bedroht sind.

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