Mönchengladbach - Riesen-Wirbel nach dem Afghanistan-Besuch von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Ein Grünen-Politiker hat den Verteidigungsminister mit Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen.

© dpa
Ein Grünen-Politiker hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, links mit Talkmaster Johannes B. Kerner in Afghanistan) mit Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen.
Die Afghanistan-Reise von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Frau Stephanie zu Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan hat in Deutschland für Lob und Kritik gesorgt. Politiker von SPD und der Linken kritisierten die Reise als Inszenierung. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zeigte sich dagegen überzeugt, "dass die Soldatinnen und Soldaten in diesem gefährlichen Einsatz sowie ihre Familien den Besuch auch der Frau des Verteidigungsministers als eine Geste der menschlichen Solidarität" verstünden.
Zur Guttenbergs Delegation zählte auch Sat.1-Moderator Johannes B. Kerner, der in Afghanistan eine Talkshow mit dem Minister und mit Bundeswehr-Soldaten aufnahm.
Jetzt sorgt eine Äußerung eines Grünen-Politikers im sozialen Netzwerk "Twitter" für Aufregung. Der Mönchengladbacher Grünen-Ratsherr Thomas Diehl schrieb am Montag: "Guttenberg nimmt in Afghanistan 'ne Talkshow mit Kerner auf - da kann Goebbels sich propagandamäßig noch was abgucken!"
Mit dem Kerner-Talk in Afghanistan sei Guttenberg "der erste Minister in der deutschen Nachkriegsgeschichte, der einen Krieg in solcher Weise mit Propaganda unterfüttert". Dem Fernsehsender Sat.1 unterstellt Diehl in diesem Zusammenhang schlicht "Quotenwahn". Und dann vergleicht Diehl wieder - aber diesemal etwas vorsichtiger - Guttenberg mit Goebbels. Der Grünen-Politiker schreibt: "Wer der letzte deutsche Minister vor ihm war, der eine solche mediale Kriegsverherrlichung betrieben hat, das kann ja mal jeder raten…"
Seinen Standpunkt zu Guttenbergs Afghanistan-Reise fasst Diehl abschließend in drei Punkten zusammen:
"1. Ja, die Formulierung war Mist. Das sehe ich ein und entschuldige mich.
2. Über die deutschen Soldaten habe ich kein Wort gesagt.
3. Ich halte nichtsdestotrotz die Aufzeichnung einer Talkshow im Kriegsgebiet für einen Skandal, der in der deutschen Nachkriegsgeschichte einmalig ist."
Der Verteidigungsminister hat sich noch nicht zu Diehls Goebbels-Vergleich geäußert.
fro
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