Vielleicht liegt das daran, dass man in der Weihnachtszeit weniger Will, Maischberger, Plasberg, Illner oder Jauch guckt und statt problemgesättigter Talkshows einzuschalten, den Baum schmückt und Adventsschmuck bastelt. Die Angst hat nachgelassen, und das ist gut so. Probleme müssen benannt und gelöst werden, insgesamt aber steht einem Land, dem es alles in allem gut geht, ein Schuss Optimismus gut zu Gesichte. So eine Haltung hat außerdem den Vorteil, dass sich all jene Staaten an ihr orientieren und aufrichten können, denen es wirklich dreckig geht.
Europa: teure Bürokraten, Globalisierung: Raubtierkapitalismus, Politiker: unfähig, Rente: Armensüppchen, Umwelt: im Eimer. Angst bestätigt Vorurteile, kann über diesen Umweg sogar beruhigend wirken und schützt davor, selbst was tun zu müssen.
Die vielen Menschen, die die „Angst vor“-Spalten der Umfragen füllen, blenden aus, dass von der Schuldenkrise bis zur Energiewende vieles erkennbar in Bewegung ist. Krisen, politische ebenso wie persönliche, bringen Dynamik, sorgen für Reflektion und Weiterentwicklung. „Angst-vor“ aber lähmt. Würden wir den Hohepriestern der Katastrophen, denen wir allabendlich lauschen, weniger Raum in unseren Köpfen einräumen, wir hätten mehr Kraft für die Gestaltung der Zukunft. Der Frankfurter Trendforscher Matthias Horx verwies unlängst auf die „Tetlock-Studie“, nach der medial bekannte Experten bei ihren Prognosen häufiger danebenliegen wie Laien. Grund: Tunnelblick und Eigeninteressen. Na also!
Lassen wir die Profis der Apokalypse, die Krisen-Gurus reden. Übertriebene Zukunftsängste mindern Reaktionsfähigkeit und Sehkraft. Sie helfen am Ende nur denjenigen, die mit einfachen Lösungen gute Geschäfte machen.





