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Wo katholische Priester in der Region Reformbedarf sehen: „Mehr Leidenschaft für die Sache Jesu“

„Mehr Leidenschaft für die Sache Jesu“

Offenbach - Professoren haben vor einem Jahr in ihrem sogenannten Theologen-Memorandum unter anderem die Öffnung des Priesteramts für verheiratete Männer sowie für Frauen und eine stärkere Mitbestimmung für die Gläubigen gefordert.

© p

Bruder Paulus, Frankfurt

© pPeter Eckstein, Rodgau

Was sagen Priester in der Region - sehen sie Fortschritte? Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Bruder Paulus Terwitte, Leiter des Kapuzinerklosters Liebfrauen in der Frankfurter City, und Nieder-Rodens Pfarrer Peter Eckstein nach.

Was hat sich verändert - hat das Memorandum etwas bewegt?

Bruder Paulus: Es gibt Bereitschaft zur Bewegung in der Kirche. Das Theologen-Memorandum hat bei der Basis eher Kopfschütteln ausgelöst. Christen wollen heute ermutigt werden, gegen den Strom zu schwimmen. Gebet, Glaubensbekenntnis und Nächstenliebe stehen in der Konsumgesellschaft nicht hoch im Kurs. Der Kirche helfen keine Vorschläge, wie sie noch effektiver und damit noch mehr dem Zeitgeist angepasst werden kann. Kraft geben vielmehr solche Theologen, die uns unterstützen, heute zu verstehen und zu leben, was der Apostel Paulus das „Ärgernis des Kreuzes“ nennt.

Pfarrer Peter Eckstein: Ich habe keine Bewegung feststellen können, die spezifisch als Folge des Memorandums zu betrachten wäre. Keine der darin aufgeführten Forderungen und Thesen sind wirklich neu.

Wie gehen Sie als Seelsorger mit dem Dialogprozess mit Laien um?

Bruder Paulus: Wir in Liebfrauen bekommen wenig von den Versuchen mit, die Kirche zu verändern. Was wir mitbekommen: Die Menschen haben ganz andere Sorgen, auch die Gläubigen. Wenn der Unglaube der Normalfall ist - wie kann man dann noch verantwortet vor der eigenen Vernunft glauben? Unsere Bildungsveranstaltungen in Liebfrauen zu diesen Fragen stoßen auf ein großes Interesse. In den Gottesdiensten sprechen wir öfter als sonst über die wesentlichen Fragen christlichen Glaubens, zum Beispiel: Was heißt Taufe und Salbung mit dem Heiligen Geist heute genau? Macht uns das besser vor Gott? Was ist dann mit den Nichtglaubenden oder Menschen anderen Glaubens? Der Dialogprozess in der Kirche muss zur Wahrheit Jesu Christi vordringen. Darum habe ich übrigens mein Buch „ABC des Christentums“ geschrieben.

Pfarrer Peter Eckstein: Es gibt für mich keine Fragen, die nicht offen angesprochen werden dürften. Bis auf die Frage nach möglichen Gemeindezusammenlegungen und natürlich der Missbrauchsthematik konnte ich im letzten Jahr keinen gesteigerten Gesprächsbedarf hinsichtlich der anderen Themen erkennen. Ehrlich gesagt, die Gemeindemitglieder vor Ort haben mehrheitlich andere Sorgen als Priesterehe, Frauenordination oder homosexuelle Partnerschaften.

Wie stellen Sie sich die weitere Modernisierung der katholischen Kirche vor?

Bruder Paulus: Ich bleibe dabei, was ich schon oft gesagt habe: Die Kirche ist die modernste Institution, die die Weltgeschichte kennt. Meine Mitbrüder waren schon vor über hundert Jahren in China, als hier davon allgemein noch keine Rede war. Was Globalisierung bedeutet, Rechte der Frau, Stärkung der Familie: Was die Kirche dazu zu sagen hat, wird in den Slums von Brasilien, den asiatischen Ländern oder im Ein-Kind-Zwang der chinesischen Kultur als fortschrittlich wahrgenommen. Wenn ich einen Wunsch haben darf für Deutschland: Ich würde mir wünschen, dass jede Kirche in Offenbach und Umgebung jeden Tag weit geöffnet ist, dass Christen darin beten, dass alle Menschen guten Willens sich darin willkommen wissen. Was wir zuerst brauchen, ist ein modernes Selbstbewusstsein eines jeden Christen: Kirche ist das, was ich daraus mache.

Pfarrer Peter Eckstein: Es geht um Entbürokratisierung und Entinstitutionalisierung, mehr Leidenschaft und Einsatzfreude für die Sache Jesu - dafür weniger Nabelschau, mehr Zurückhaltung bei der Indienstnahme von Wirtschaftsberatungsorganisationen für kirchliche Reformvorschläge, denn hier wurde schon viel kaputt „saniert“. Für alle ihre Amts- und Funktionsträger, seien es Männer oder Frauen, gilt die die Grundhaltung Johannes’ XXIII.: „Giovanni - nimm Dich nicht so wichtig!“ Dann, so glaube ich, hätte es Gott erheblich leichter bei uns.

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