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Kommmentar zu 30 Jahre Grüne

Grüne Partei 30 Jahre alt

Kommentar: In der Mitte angelangt

Sie haben ganz klar die Republik verändert, die Grünen, die am 13. Januar 1980 in Karlsruhe als Partei das Licht der Welt erblickten. Der Gründungsparteitag der Anti-Parteien-Partei verlief mehr als nur chaotisch. Von Siegfried J. Michel

Da stritten Umweltschützer, Atomkraftgegner, Friedens- und Dritte-Welt-Bewegte, Vertreter von Schwulen- und Lesbenorganisationen sowie überzeugte Kommunisten. Was sie einte war, „Anti“ zu sein, gegen die etablierten Parteien und gegen das Establishment. Wohl niemand hätte dieser Partei zu diesem Zeitpunkt zugetraut, dass sie einmal mit Joschka Fischer einen Bundesaußenminister und Vize-Kanzler in einer Regierungskoalition mit der SPD stellen würde. Sah doch SPD-Geschäftsführer Egon Bahr in der Anti-Parteien-Partei seinerzeit sogar „eine Gefahr für die Demokratie“. Doch es kam anders.

Lesen Sie hierzu den Blickpunkt:

Interview mit Grünen-Landeschef Tarek Al-Wazir

Was also hat diese Partei in dieser Republik verändert? Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, eine Urdomäne der Grünen, sind mit Macht in unser aller Leben und der Politik angekommen. Es dauerte nicht lange, bis auch die „Altparteien“ diese Themen für sich entdeckten. Am 6. Juni 1986 wurde schließlich gar eine eigene Behörde, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gegründet. Unwahrscheinlich auch, dass es ohne die treibende Kraft der Grünen Jahre später eine CDU-Politikerin bis zum Titel der Klimakanzlerin gebracht hätte, Angela Merkel. Ohne die Grünen hätte diese Nation diese wichtigen Themen womöglich erst so spät entdeckt wie die USA.

Auch in der Atompolitik hat sich das Denken verändert. Inzwischen sprechen selbst die schwarz-gelben Koalitionäre in Berlin von einer Übergangstechnologie. Zwar soll der im Frühjahr 2000 vom damaligen Umweltminister Jürgen Trittin mit der Stromwirtschaft ausgehandelte Atomausstieg verschoben und damit die AKW-Laufzeiten verlängert werden. Der Weg geht aber ganz klar hin zu erneuerbaren Energien. Dass Homosexuelle heute eine rechtsverbindliche Lebenspartnerschaft eingehen können, ist auf Bestrebungen der Grünen zurückzuführen. Auch in Sachen Gleichberechtigung von Frauen waren sie treibender Motor - und, und, und.

Und die Grünen selbst? Sie sind in die Jahre gekommen, eine ziemlich normale Partei geworden. „Wir sind die linke Mitte“, sagte der heutige Fraktionschef Trittin. Und genau das ist inzwischen das Problem der Partei. Denn in der berühmten „Mitte“, da drängen sich viele. Die Partei muss sehr aufpassen, dass sie in diesem Zentrum nicht verwechselbar wird. Was den Grünen derzeit fehlt, das sind die großen Visionen, mit denen sie ihre Mitglieder und Anhänger mitreißen könnten. Ob die Bereitschaft, Koalitionen auch mit der Union einzugehen, ein wirklich zukunftsfähiger Weg ist, wird sich erst beweisen und zeigen müssen. Ihren Platz und ihr Profil im Fünf-Parteien-System dieser Republik müssen die Grünen neu definieren, wenn sie sich behaupten wollen.

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